LKA Niedersachsen legt Empfehlungen zum stärkeren Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum vor

Kinder und Jugendliche müssen im digitalen Raum besser geschützt werden. LKA-Präsident Thorsten Massinger legt hierzu kriminalpolizeiliche Empfehlungen vor. Diese Empfehlungen wurden von einer interdisziplinären Expertengruppe im LKA Niedersachsen erarbeitet, die im Dezember 2025 eingerichtet wurde und sich mit Deradikalisierung und Prävention im digitalen Raum befasst. Hintergrund ist die wachsende Bedeutung digitaler Räume als Tat- und Radikalisierungsorte. Straftaten zulasten von Kindern und Jugendlichen - insbesondere sexualisierte Gewalt, Cybermobbing, digitale Erpressung und extremistischer Einfluss - stellen einen relevanten Teil des Kriminalitätsgeschehens im digitalen Raum dar. Erfahrungen aus der polizeilichen Praxis und wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass ein Teil dieser Taten im Dunkelfeld verbleibt. Viele Fälle werden aus Scham, Angst oder fehlender Anzeigebereitschaft nicht bekannt. Zugleich verlagern sich Radikalisierungsprozesse zunehmend in geschlossene Chatgruppen, Foren und soziale Netzwerke, in denen junge Menschen gezielt angesprochen und ideologisch beeinflusst werden. Diese Entwicklungen erfordern eine enge Verzahnung von Prävention, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Sensibilisierung. Das LKA Niedersachsen setzt sich gezielt für folgende Kernpunkte ein: - Forschung: Aufhellung des Dunkelfeldes für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche zu ihren Erfahrungen mit Straftaten im digitalen Raum. - Verantwortung der Betreiber: Einsatz für rechtssichere und wirksame Altersverifikationsverfahren auf Social-Media-Plattformen sowie Unterstützung von Maßnahmen, die den Zugang Minderjähriger zu nicht altersgerechten Inhalten wirksam begrenzen. - Mediensicherheit: Kindern und Jugendlichen muss altersgerecht aufgezeigt werden, welche konkreten Gefahren im digitalen Raum bestehen (z. B. Cybermobbing, Cybergrooming, Kostenfallen, Datenmissbrauch) und wie sie sich wirksam davor schützen können. Dieses Wissen sollte systematisch auch Eltern und pädagogischen Fachkräften vermittelt werden - etwa in Form digitaler polizeilicher Informationsveranstaltungen.Eltern tragen hierbei eine besondere Verantwortung: Sie sollten sich aktiv und kontinuierlich mit den digitalen Lebenswelten ihrer Kinder auseinandersetzen, sich über Risiken informieren, Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen gemeinsam mit ihren Kindern prüfen sowie klare Regeln für die Mediennutzung vereinbaren. - Aufklärungskampagnen: Bestehende polizeiliche Aufklärungsangebote sind weiter auszubauen und sichtbarer zu machen, um Eltern sowie junge Menschen noch gezielter zu erreichen. Informationskampagnen sollten niedrigschwellig, praxisnah und regelmäßig angeboten werden. Dabei ist besonders darauf hinzuwirken, dass Eltern nicht nur informiert werden, sondern ihre Schlüsselrolle im Schutz ihrer Kinder im digitalen Raum bewusst wahrnehmen und aktiv gestalten. - Stärkung der polizeilichen Präsenz im digitalen Raum: Die Polizei ist bereits auf etablierten Plattformen präsent und sucht dort aktiv den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern. Die dialogorientierte Präventions- und Informationsarbeit der Polizei auf digitalen Plattformen sollte weiter ausgebaut werden. - Fortlaufende Überprüfung und zielgruppengerechte Ausrichtung polizeilicher Angebote: Polizeiliche Präventions- und Informationsangebote sollen kontinuierlich daraufhin überprüft und - wo fachlich sinnvoll - noch stärker an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet werden. Ziel ist es, Zugangsbarrieren abzubauen und die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme mit der Polizei zu senken - unter Wahrung der fachlichen Standards und rechtlichen Rahmenbedingungen.Thorsten Massinger zu den bislang erarbeiteten Punkten: "Alterskontrollen schützen Kinder - wir setzen uns für wirksame Prüfverfahren durch die Betreiber ein. Der Schutz Minderjähriger muss bei der technischen Gestaltung digitaler Plattformen von Anfang an mitgedacht werden, insbesondere im Hinblick auf die Verbreitung strafrechtlich relevanter oder nicht altersgerechter Inhalte." Die Expertengruppe konkretisiert derzeit erste Maßnahmen zur Verbesserung der Aufklärung. Dabei handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess. Ein erster konkreter Baustein ist ein vom LKA Niedersachsen geplantes digitales Austausch- und Informationsformat, der Eltern und pädagogische Fachkräfte gezielt über Risiken und Schutzmöglichkeiten im digitalen Raum informieren soll. Weitere Maßnahmen befinden sich aktuell in der Ausarbeitung und werden zu gegebener Zeit vorgestellt. "Um extremistischer Ansprache im digitalen Raum wirksam zu begegnen, müssen präventive Strukturen weiter gestärkt werden. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig zu erreichen und sie bei Bedarf in analoge Hilfs- und Beratungsangebote zu vermitteln. Hier gibt es etwa im Bereich des Onlinestreetwork vielversprechende Entwicklungen, die es weiter zu stärken gilt", sagt LKA-Präsident Thorsten Massinger. Hintergrund: Expertengruppe im LKA Niedersachsen Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat im Dezember 2025 eine interdisziplinäre Expertengruppe "Deradikalisierung & Prävention für Kinder und Jugendliche im digitalen Raum" eingesetzt. Sie bündelt kriminalpolizeiliche, wissenschaftliche und präventive Expertise aus verschiedenen Fachbereichen des LKA Niedersachsen. Ziel ist es, Gefährdungen junger Menschen im digitalen Raum - einschließlich möglicher Radikalisierungstendenzen - frühzeitig zu erkennen und wirksame Präventions- und Beratungsangebote weiterzuentwickeln. Weiterführende Informationen zur Expertengruppe finden Sie hier: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/105578/6181822 Rückfragen bitte an: Landeskriminalamt Niedersachsen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Philipp Hasse Telefon: 0511 / 9873-1031 E-Mail: pressestelle@lka.polizei.niedersachsen.de