Hohe Schadenssummen statt hoher Gewinne: Landeskriminalamt NRW warnt vor Anlagebetrug im Internet – Wie die Betrugsmasche abläuft und wie Menschen sich schützen können.

Geld anlegen, schnell Gewinne erzielen und dabei angeblich kein Risiko eingehen: Mit solchen Versprechen locken Kriminelle Menschen auf gefälschte Anlageplattformen im Internet. Die Webseiten oder Apps sehen professionell aus und angebliche Fachleute bieten dort ihre persönliche Beratung an. Doch statt das Geld anzulegen, behalten die Täter es für sich. Diese Form des Online-Anlagebetrugs wird auch "Cybertrading Fraud" oder "Cybertrading-Betrug" genannt. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) klärt über die Masche auf. Die wichtigste Botschaft: Prüfen Sie Anlageangebote sorgfältig, bevor Sie persönliche Daten weitergeben oder Geld überweisen. Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen: Die Polizei NRW registrierte im vergangenen Jahr 6385 Fälle. Und dabei handelt es sich ausschließlich um das Hellfeld. Der erfasste Schaden belief sich 2025 insgesamt auf rund 251 Millionen Euro. Hinter diesen Summen stehen Menschen, die teilweise ihr gesamtes Erspartes verloren haben. So funktioniert die Masche: Am Anfang steht häufig eine Werbeanzeige in sozialen Netzwerken oder auf einer bekannten Internetseite. Auch Werbung in Zeitungen, Magazinen oder im Fernsehen kann auf betrügerische Angebote führen. Versprochen werden hohe Gewinne mit Aktien, Kryptowährungen oder anderen Geldanlagen. Die professionell gestaltete Werbung ist jedoch kein Beleg dafür, dass ein Angebot seriös ist. Manche Anzeigen erwecken den Eindruck, bekannte Persönlichkeiten hätten mit dem Angebot bereits viel Geld verdient. Dafür nutzen Kriminelle auch Bilder, Stimmen und Videos, die mithilfe künstlicher Intelligenz gefälscht wurden. Die gezeigten Personen haben mit der beworbenen Anlage nichts zu tun. Wer sich registriert, wird von angeblichen Anlageberaterinnen oder Anlageberatern kontaktiert. Sie wirken hilfsbereit und bauen Vertrauen auf. Zunächst soll oft nur ein kleiner Betrag eingezahlt werden. Auf dem vermeintlichen Anlagekonto erscheinen schon bald Gewinne. Tatsächlich sind diese Zahlen erfunden. Sie sollen dazu verleiten, immer mehr Geld zu überweisen. Manchmal zahlen die Täter anfangs sogar kleinere Beträge aus, um Zweifel auszuräumen. Doch wer später sein Guthaben zurückhaben möchte, wird vertröstet oder soll zunächst weitere Gebühren oder angebliche Steuern bezahlen. Auch dieses Geld landet bei den Kriminellen. Eine erste Auszahlung beweist deshalb nicht, dass eine Plattform vertrauenswürdig ist. Das LKA NRW rät: - Misstrauen Sie ungewöhnlich hohen Gewinnversprechen. Hohe Gewinne ohne Risiko sind ein Warnsignal. Lassen Sie sich erklären, wie die Anlage funktioniert, welche Kosten entstehen und welche Verluste möglich sind. - Lassen Sie sich nicht drängen. Aussagen wie "Nur heute verfügbar" oder die Aussicht auf besondere Bonuszahlungen sollen Sie zu schnellen Entscheidungen bewegen. Nehmen Sie sich Zeit und besprechen Sie das Angebot mit einer unabhängigen Person. - Prüfen Sie den Anbieter. Sind Firmenname, Anschrift und Kontaktdaten nachvollziehbar? Prüfen Sie in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), ob der Anbieter für die angebotene Tätigkeit in Deutschland zugelassen ist. Verlassen Sie sich nicht auf eine angebliche Lizenz auf der Werbeseite. - Suchen Sie nach Warnungen oder nutzen die Bilder-Rückwärtssuche zur Überprüfung von Internetseiten (wegen möglicher "Deepfakes"). Beachten Sie insbesondere Warnmeldungen der BaFin und recherchieren Sie unabhängig nach Beschwerden. Gute Bewertungen und prominente Werbegesichter können gefälscht sein. - Geben Sie keinen Zugriff auf Ihre Geräte. Installieren Sie keinesfalls auf Aufforderung angeblicher Anlageberater Fernzugriffsprogramme, um sich helfen zu lassen. Damit könnten Fremde Ihren Computer bedienen und Daten auslesen. - Geben Sie niemals Passwörter oder Zugangsdaten für Bankkonten und Depots weiter. - Zahlen Sie bei blockierten Auszahlungen nicht nach. Angebliche Steuern, Gebühren oder Versicherungen, die Sie vor einer Auszahlung zusätzlich überweisen sollen, sind ein deutliches Warnsignal. Stoppen Sie weitere Zahlungen.Sie haben bereits Geld überwiesen? Dann handeln Sie sofort. Brechen Sie den Kontakt zu den mutmaßlichen Betrügern ab und überweisen Sie kein weiteres Geld. Informieren Sie sofort Ihre Bank oder Ihren Zahlungsdienstleister. Lassen Sie prüfen, ob Zahlungen noch gestoppt oder zurückgerufen werden können. Sichern Sie Nachrichten, E-Mails, Zahlungsbelege und Bildschirmfotos der Plattform. Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer Polizei vor Ort. Als Opfer einer Straftat sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Eine erste Orientierung zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten finden Sie im Präventionsportal der Polizei NRW: https://praevention.polizei.nrw/ Sie können sich auch an die Mitarbeitenden des polizeilichen Opferschutzes in den hierfür zuständigen Organisationseinheiten Ihrer örtlichen Polizei wenden. Ihre örtlich zuständige Polizeidienststelle finden Sie über https://polizei.nrw/artikel/polizei-vor-ort Der Betrug nach dem Betrug: Seien Sie auch nach festgestelltem Betrug vorsichtig. Es kommt vor, dass die Kriminellen unter dem Vorwand Unterstützung bei der Rückholung der Gelder zu leisten (zum Beispiel als Anwalt), erneut Kontakt suchen (sogenanntes "Recovery Scam"). Hierfür wird dann eine Vorabgebühr verlangt. Die Themenseite "Online-Anlagebetrug" der Polizeilichen Kriminalprävention des Bundes und der Länder (ProPK) erklärt die Vorgehensweise der Kriminellen und bündelt Warnsignale sowie praktische Tipps: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybertrading-betrug/ Weitere Informationen stellt das LKA NRW auf seiner Homepage zur Verfügung: - https://lka.polizei.nrw/artikel/vorsicht-abzocke-betrugsmasche-b ei-ausschreibungen - https://lka.polizei.nrw/anlagebetrug-im-internet-leere-versprech en-gezielte-abzocke-hohe-verluste-zerstoerte-existenzenSprechen Sie auch mit Ihrer Familie, Freundinnen und Freunden über die Masche. Helfen Sie mit, dass aus einem verlockenden Angebot kein finanzieller Verlust wird. Rückfragen bitte an: Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen Völklinger Straße 49 40221 Düsseldorf Telefon: 0211 / 939 6666 E-Mail: pressestelle.lka@polizei.nrw.de