Gemeinsam gegen Planenschlitzer: Polizei und Zoll kontrolliert bundesweit an Autobahnen
LKA Niedersachsen koordiniert länderübergreifende Aktion gegen Ladungsdiebstahl - Einsatzkräfte aus sechs Bundesländern sowie vom Zoll und der Bundespolizei beteiligt
Ein kurzer Schnitt in die Lkw-Plane genügt, um einen Blick auf die Ladung zu werfen. Was folgt, kann für Transportunternehmen teuer werden: Gestohlene Waren, beschädigte Fahrzeuge und erhebliche wirtschaftliche Schäden. Um gezielt gegen diese Form des Ladungsdiebstahls vorzugehen, haben Polizeikräfte aus sechs Bundesländern, der Bundespolizei und dem Zoll in den vergangenen Nächten zeitgleich Rastanlagen und Parkplätze entlang der Autobahnen kontrolliert. Die sogenannten Joint Action Days "Planenschlitzen 2026" wurden vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen koordiniert.
An drei Nächten im Zeitraum vom 02. bis 05. November 2026 waren Einsatzkräfte aus Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen sowie der Bundespolizei und den Hauptzollämtern Hamburg und Bremen im Einsatz. Insgesamt kontrollierten sie 1378 Fahrzeuge und 1725 Personen auf Rastanlagen und Parkplätzen. Zudem wurde der Güterverkehr überprüft. Dabei stellten die Einsatzkräfte beispielsweise mehrere Container fest, deren Plomben geöffnet worden waren. Außerdem deckten sie mehrere Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Kennzeichenmissbrauch sowie mindestens zwei Fälle von Trunkenheit im Verkehr auf und leiteten entsprechende Ermittlungsverfahren ein. Sichergestellt wurden ein Einhandmesser sowie zwei geladene CO2-Softair-Waffen ohne das sogenannte F-Kennzeichen samt mehrerer Kartuschen und Munition. Insgesamt wurden 62 Strafverfahren eingeleitet.
In Niedersachsen kontrollierten die Einsatzkräfte insgesamt 210 Fahrzeuge und 319 Personen. Dabei fertigten sie 19 Strafanzeigen, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit im Verkehr. Zudem wurde auf einem Parkplatz an der Bundesautobahn (BAB) 7 eine aufgebrochene Plombe an einem Sattelauflieger festgestellt.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden nun durch die zuständigen Polizeibehörden ausgewertet und auf mögliche Zusammenhänge mit bereits bekannten Taten und Tätergruppierungen überprüft. Wie groß die wirtschaftlichen Folgen von Planenschlitzen sein können, zeigen die Zahlen aus Niedersachsen. 2025 verursachten die Taten einen registrierten Schaden von rund neun Millionen Euro. Für 2026 liegt die zwischen Januar und Oktober polizeilich bekannt gewordene Schadenssumme bei rund fünf Millionen Euro. Der tatsächliche Schaden dürfte höher ausfallen. Es muss nicht einmal zum Diebstahl kommen, damit Kosten entstehen. Schon eine aufgeschlitzte Lkw-Plane kann Reparaturen erforderlich machen und zu Ausfallzeiten führen. Für Transportunternehmen und Fahrzeughalter:innen bedeutet das zusätzliche finanzielle Belastungen. Besonders gefährdet sind Lastwagen auf Rastanlagen und Autobahnparkplätzen. Während der vorgeschriebenen Ruhezeiten stehen sie dort oft über mehrere Stunden, teilweise dicht an dicht, und nicht immer ausreichend beleuchtet oder überwacht. Für die Täter:innen bieten sich dadurch Gelegenheiten, unbemerkt an die Ladung zu gelangen. Besonders begehrt sind Waren mit hohem Wiederverkaufswert, darunter Elektronik, Markenbekleidung, Tabakwaren und Kosmetikprodukte.
"Die Täter machen nicht an Landesgrenzen halt. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Maßnahmen über Ländergrenzen hinweg abstimmen und gemeinsam gegen diese Form der Kriminalität vorgehen. Planenschlitzen ist kein Bagatelldelikt. Ich appelliere an alle Fahrenden, jede Tat anzuzeigen - auch dann, wenn es beim Versuch bleibt. Jede Anzeige kann uns helfen, Zusammenhänge zwischen einzelnen Taten sowie Tätergruppierungen herzustellen", sagt Kriminalhauptkommissar Uwe Koopmann, Sachgebietsleiter Eigentum im LKA Niedersachsen und Vorsitzender der AG Cargo.
Die gemeinsamen Kontrollnächte knüpfen an Schwerpunktkontrollen an, die die Polizei Niedersachsen bereits im Februar 2026 durchgeführt hatte. Grundlage der länderübergreifenden Zusammenarbeit ist die Arbeitsgruppe Cargo, die aus einer 2018 gegründeten Projektgruppe hervorgegangen ist. Ihr gehören sechs Bundesländer sowie polnische Polizeibehörden an. Den Vorsitz hat 2026 turnusgemäß das LKA Niedersachsen vom LKA Hessen übernommen.
Neben gezielten Kontrollen und Ermittlungen spielt auch die Vorbeugung eine wichtige Rolle. Denn gerade während längerer Standzeiten können bereits einfache Vorsichtsmaßnahmen dazu beitragen, das Diebstahlrisiko zu verringern. Das LKA Niedersachsen rät Fahrer:innen deshalb, bei der Planung ihrer Fahrten und während der Ruhezeiten besonders aufmerksam zu sein.
Die wichtigsten Präventionstipps im Überblick:
- Parkplätze bewusst auswählen: Planen Sie Pausen und Ruhezeiten
möglichst auf gesicherten oder gut beleuchteten und belebten
Parkplätzen.
- Informationen vertraulich behandeln: Sprechen Sie mit Fremden
nicht über Ihre Route, Ihr Fahrtziel oder die transportierte
Ladung.
- Fahrzeug regelmäßig überprüfen: Kontrollieren Sie nach längeren
Pausen, ob Plane, Fahrzeug oder Ladung beschädigt oder
manipuliert wurden.
- Bei verdächtigen Situationen vorsichtig bleiben: Klopfen nachts
Unbekannte an Ihr Fahrzeug, bleiben Sie in der Kabine und bieten
Sie an, die Polizei zu verständigen.
- Verdächtige Beobachtungen melden: Informieren Sie bei
verdächtigen Personen oder Fahrzeugen umgehend die Polizei über
den Notruf 110.
- Jede Tat anzeigen: Melden Sie auch versuchte Diebstähle oder
aufgeschlitzte Planen, selbst wenn keine Waren entwendet wurden.
Solche Hinweise können entscheidend sein, um Tatserien und
Zusammenhänge zu erkennen.Hinweis für Medienvertreter:innen
Bitte richten Sie regionale Anfragen direkt an die Pressestellen der örtlich zuständigen Polizeibehörden in Niedersachsen und in den beteiligten Ländern.
Rückfragen bitte an:
Landeskriminalamt Niedersachsen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Antje Westermann
Telefon: 0511 / 9873-1030
E-Mail: pressestelle@lka.polizei.niedersachsen.de