Fußball-Saison 2025/2026: Rund 2,6 Millionen Einsatzstunden für die Polizeien der Länder und des Bundes – über 1.400 Menschen wurden verletzt

Die im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste des Landes Nordrhein-Westfalen (LZPD NRW) ansässige Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hat ihren aktuellen Jahresbericht vorgelegt. Die Zentralstelle wertete dazu die Sicherheitskennzahlen der insgesamt 2.681 Spiele der Mannschaften der ersten vier deutschen Spielklassen aus. Hierunter zählen der Ligaspielbetrieb (992) sowie sechs Relegationsspiele, Spiele des DFB-Pokals (63) sowie des internationalen Spielbetriebs (90) und 1.530 Spiele der fünf Regionalligen. Insgesamt verfolgten 32 Millionen Stadionbesucherinnen und -besucher in der letzten Fußballsaison vor Ort die 2.681 Spiele der Mannschaften der ersten vier Spielklassen. Weiterhin mehrheitlich unbeteiligte Verletzte Insgesamt wurden dabei 1.446 Personen (Vorjahr 1.501) verletzt, darunter 195 Polizistinnen und Polizisten sowie rund 800 Unbeteiligte. "Auch wenn wir hier einen kleinen Rückgang zu verzeichnen haben, sind die Zahlen insgesamt nicht hinnehmbar, denn diese stehen für Menschen mit Verletzungen. Verletzungen, die bei regelkonformen Verhalten vermeidbar gewesen wären", betont der Leiter der ZIS Michael Madre. Im Spieltrieb der ersten drei Ligen kam es bei einem kleinen Anteil von Spielen (35 Spiele) zu gruppendynamischen Prozessen, die für erhebliche Störungen sorgten und in deren Zusammenhang insgesamt rund 29 Prozent aller verletzten Personen festgestellt wurden. "Eine weitaus größere Anzahl körperlicher Auseinandersetzungen mit hoher Gruppendynamik verlief glimpflicher bzw. konnte durch polizeiliches Handeln frühzeitig unterbunden werden. Immer wieder kommt es zu unvorhersehbaren Angriffen auf gegnerische Fans bzw. Fangruppierungen, wobei es vielfach um nicht mehr als eine Machtdemonstration und die Markierung des für sich beanspruchten Reviers geht. Hier müssen wir eindeutig zwischen friedlicher und gewalttätiger Fankultur unterscheiden", so Madre. Über 120 Verletzte seien durch den Abbrand von Pyrotechnik zu verzeichnen. Dazu komme ein Dunkelfeld an Verletzten, da nicht alle Vorfälle der Polizei angezeigt würden. Auch im Hinblick auf den Missbrauch von pyrotechnischen Gegenständen sei, bedingt durch eine bundesweit heterogene Erfassung und Ahndung von pyrotechnischen Verstößen, ein hohes Dunkelfeld anzunehmen. "Pyrotechnik ist kein rechtliches Problem, sondern ein ganz praktisches, da hierdurch wiederkehrend die körperliche Unversehrtheit von Menschen im Stadion gefährdet und letztlich auch beeinträchtigt wird. Leider ist die Anzahl aller Verstöße - Straftaten und Ordnungswidrigkeiten - im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Pyrotechnik insgesamt, über alle Wettbewerbe betrachtet, weiterhin gestiegen. Dies ist so nicht akzeptabel. Für die Polizei gilt es jedoch, Straftäter im Vergleich zu den vielen friedlichen Fußballfans differenziert zu betrachten", betont der Leiter der ZIS. Anzahl der Straftaten weiter auf hohem Niveau Insgesamt stieg die Anzahl der festgestellten Straftaten in der letzten Saison auf 7.668 Straftaten (Vorjahr 7.054). Es wurden 8.341 freiheitsentziehende/ beschränkende Maßnahmen (Vorjahr 8.237) durchgeführt. "Ein Großteil der Straftaten sind phänomenspezifische Delikte, wie Körperverletzung, Widerstand, tätlicher Angriff auf Polizistinnen und Polizisten, Landfriedensbruch oder Sachbeschädigung", sagt Madre. Auffällig sei, dass bei den 63 Spielen des DFB-Pokals bereits 14 Prozent mehr Straftaten (569) und acht Prozent mehr Verletzte (68) sowie insgesamt 1.039 Verstöße - Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zusammen betrachtet - im Zusammenhang mit dem Missbrauch von pyrotechnischen Gegenständen registriert wurden. Stadionverbote Nach Angaben des DFB waren mit Stand von September 2026 insgesamt 669 solcher Verbote in Kraft (Stand September 2025: 593). Dies entspricht einem Anstieg von rund 13 Prozent bei der Gesamtanzahl der Stadionverbote. "Im Hinblick auf die Gesamtzahlen der im Berichtszeitraum über 7.000 eingeleiteten Strafverfahren und der durchgeführten über 8.000 freiheitsentziehenden/beschränkenden Maßnahmen ist jedoch die Anzahl der Stadionverbote im Vergleich zu festgestellten Straftaten und getroffenen Maßnahmen noch immer auf einem vergleichbar niedrigem Niveau und weiterhin ein Indiz dafür, dass die Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten weiterhin nicht flächendeckend konsequent Anwendung erfahren", stellt Madre fest. Nach Angaben der Polizeibehörden lag die Anzahl der potenziell gewaltbereiten Personen in den Anhängerschaften der Vereine der ersten drei Spielklassen und der Regionalligen im Berichtszeitraum bei 17.930 (Vorjahr 17.958) Personen. Tatorte/Drittortauseinandersetzungen Im aktuellen Berichtszeitraum lagen die bekanntgewordenen Tatorte überwiegend im Stadion (inklusive Zugangskontrollen). So lag der prozentuale Anteil der dort festgestellten Straftaten bei rund 57 Prozent. Im unmittelbaren Umfeld des Stadions wurden rund 15 Prozent der Straftaten registriert. Im Stadtgebiet waren es 13 Prozent. "Auch wenn der überwiegende Anteil der Straftaten in den Stadien passiert, wurde in dieser Saison von massiven Drittortauseinandersetzungen berichtet", stellt Madre fest. "Grundsätzlich ist allen hierbei beteiligten Personen ein vorsätzliches Handeln und ein hohes Maß an krimineller Energie zu unterstellen. Solche Störer gingen vielfach planmäßig und konspirativ vor, um polizeilichen Maßnahmen zu entgehen und körperliche Auseinandersetzungen mit Gleichgesinnten der gegnerischen Lager vollziehen zu können". Rund 2,6 Millionen Einsatzstunden Die Arbeitsbelastung der Polizeien der Länder und des Bundes lag insgesamt bei rund 2.618.000 Millionen Einsatzstunden. (Vorjahr 2.623.000) Detaillierte Informationen und weiteres Zahlenmaterial entnehmen Sie bitte dem ZIS-Jahresbericht: https://lzpd.polizei.nrw/zis-jahresbericht-202526 Den neuen NRW-ZIS-Jahresbericht sowie Jahresberichte aus den Vorjahren, finden Sie hier: https://lzpd.polizei.nrw/artikel/zis-jahresbericht Zum Hintergrund: Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hat ihren Sitz beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW in Duisburg. Der vorliegende ZIS-Jahresbericht Fußball ist eine Dokumentation, in der die ZIS in Zusammenarbeit mit den Landesinformationsstellen Sporteinsätze, der Informationsstelle Sport des Bundespolizeipräsidiums sowie den Polizeibehörden und Netzwerkpartnern mit den ihr zur Verfügung gestellten Daten und Erkenntnissen die gegenwärtige Lage in und um die Fußballstadien in Deutschland im jährlichen Turnus darstellt. Der vorliegende ZIS-Jahresbericht Fußball ist eine Dokumentation relevanter polizeilicher Erkenntnisse aus der zurückliegenden Saison. Nach Abstimmung mit den Polizeien der Länder und des Bundes wurden zur Optimierung der Aussagekraft und Lesbarkeit des vorliegenden Jahresberichtes strukturelle und inhaltliche Anpassungen vorgenommen, die Betrachtungszeiträume von einem auf drei erweitert und das Layout angepasst. Rückfragen bitte an: Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW Pressestelle LZPD NRW Telefon: 0203 4175 81444 E-Mail: pressestelle.lzpd@polizei.nrw.de