POL-AK NI: 80-jähriges Gründungsjubiläum der Landespolizeischule / Die Wiege moderner, demokratischer polizeilicher Bildungsarbeit steht in Hann. Münden

4 weitere Medieninhalte Rund 400 geladene Gäste nahmen an der feierlichen Veranstaltung der Polizeiakademie Niedersachsen zum 80-jährigen Gründungsjubiläum der Landespolizeischule Niedersachsen in Hann. Münden teil. Das Polizeiorchester Niedersachsen bot den musikalischen Rahmen. Im Mittelpunkt stand ein Flügel als symbolische Erinnerung an den historischen Bechstein-Flügel, den der erste Leiter der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Polizeischule, Otto Engelmann, seinerzeit anschaffte. Den musikalischen Abschluss setzte die Studierendenband des Studienortes Hann. Münden - so wurde auch musikalisch ein Bogen von der Nachkriegszeit bis in das Jahr 2026 gespannt. Der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen Carsten Rose blickte auf die 80-jährige Geschichte der Bildungsarbeit in Niedersachsen zurück. "Es gab keine Stunde null", hob Rose in seiner Rede hervor. "Als im Juni 1946 in Hann. Münden der erste Lehrgang begann," fuhr Rose fort, "war das ein demokratischer Aufbruch in einer zerstörten Kaserne, einem zerstörten Land unter britischer Besatzung. Der Neuanfang geschah mit den Erfahrungen und den Belastungen der Vergangenheit - die Polizei hatte im Nationalsozialismus große Schuld auf sich geladen." Wie groß diese Schuld war, konnten bereits 400 Polizeistudierende und Gäste am Vortag, in einem Vortrag des 100-jährigen Shoa-Überlebenden Dr. Leon Weintraub erfahren. Ausschlaggebend für die Neuausrichtung einer Polizei, die sich den Werten eines freiheitlichen demokratischen Rechtsstaates und der Achtung der Menschenwürde verpflichtet sieht, war das Wirken von Menschen wie dem ersten Leiter der Polizeischule in Hann. Münden, Otto Engelmann. Überzeugt von den polizeilichen Idealen der Weimarer Republik stellte er in der Geburtsstunde der polizeilichen Bildungsarbeit die richtigen Stellschrauben. Engelmann war der Auffassung, dass Polizistinnen und Polizisten mehr sind als bloße Befehlsempfänger in einer militärisch geprägten Organisation. Er legte Wert auf eine gesellschaftliche und kulturelle Einbindung der Beamtinnen und Beamten und förderte maßgeblich die Vorstellung einer Bürger/-innenpolizei. Sinnbildlich dafür ließ er in den ersten Stunden den besagten Bechstein-Flügel als Symbol kulturell-gesellschaftlicher Verankerung der künftigen Polizeibeamtinnen und -beamten beschaffen. Ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlicher und umstrittener Schritt. Direktor Carsten Rose dankte den anwesenden Nachfahren ausdrücklich dafür, dass sie einen Einblick in ihren Nachlass gewährten, um die polizeigeschichtliche Forschung und damit die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zu fördern. Ganz im Sinne Otto Engelmanns, der Wert auf eine sich weiterentwickelnde polizeiliche Bildung, legte, veränderte sich die polizeiliche Bildung in den vergangenen 80 Jahren von der Landespolizeischule über die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege sowie dem BIP NI zur 2007 gegründeten Polizeiakademie Niedersachsen, die sowohl für die Nachwuchsgewinnung, das polizeiliche Bachelorstudium, die Fortbildung aller Polizistinnen und Polizisten sowie für die polizeibezogene Forschung im Land Niedersachsen verantwortlich ist. Direktor Carsten Rose dankte allen Verantwortlichen der vergangenen 80 Jahre für ihr Engagement, welches das Fundament für die heutige moderne Bildungsarbeit bildet. Aktuell werden durch die Polizeiakademie Niedersachsen am Studienort in Hann. Münden alle angehenden Polizeistudierenden in einem modernen, durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Zusammenwirken mit dem Nds. Ministerium für Inneres und Sport, allen Polizeibehörden und der Polizeiakademie Niedersachsen entwickelten Auswahlverfahren ausgewählt. Als einziges Bundesland prüft die Polizei Niedersachsen im Auswahlverfahren strukturiert die Werteorientierung der künftigen Polizistinnen und Polizisten ab. "Wir fühlen uns zur kritischen Auseinandersetzung mit unserer Geschichte sowie zur Weiterentwicklung und Innovation verpflichtet, um auch künftig unseren Beitrag zu einer demokratischen und bürgernahen Polizeiarbeit im Land Niedersachsen leisten zu können. In Kenntnis der Rolle der Polizei sind die Werte unseres Grundgesetzes, insbesondere die Unantastbarkeit der Menschenwürde, Maßstab unseres Handelns. In diesem Sinne werden wir uns weiterhin für eine moderne, zukunftsorientierte und demokratisch - wertebasierte polizeiliche Bildungsarbeit einsetzen", betonte Carsten Rose. Dass der Studienort Hann. Münden mit seiner Tradition und seiner Innovationsfähigkeit fester Bestandteil in der polizeilichen Bildungsarbeit bleiben wird, zeigen nicht zuletzt die umfänglichen Investitionen in Millionenhöhe, die das Land Niedersachsen am Studienort in Hann. Münden tätigte. In diesem Kontext sind insbesondere der Neubau der Sporthalle, die energetischen Sanierung einiger Gebäude und der Neubau einer Schießanlage zu benennen. Ganz im Sinne Otto Engelmanns setzte die Studierendenband des Studienorts Hann. Münden mit einem fulminanten musikalischen Feuerwerk den Schlusspunkt der Veranstaltung und entließ die Gäste mit einem optimistischen Blick in die Zukunft. Hintergrundinformationen zur Polizeiakademie Niedersachsen: 2.320 Studierende im Bachelorstudiengang "Polizeivollzugsdienst (B.A.)" an den Studienorten Hann. Münden, Nienburg und Oldenburg. 32 Masterstudierende im ersten Studienjahr. Verantwortlich für die Fortbildung aller Polizeibeschäftigten in Niedersachsen. Zwei Forschungsinstitute: Institut für Kriminalitäts- und Sicherheitsforschung und die Forschungsstelle für Polizei- und Demokratiegeschichte. 26 Kooperationen mit in- und ausländischen Partnern sowie 15 Erasmus+-Vereinbarungen. 135 Auslands-Hospitationen im Jahr 2026, davon 79 mit Erasmus+-Förderung. Rückfragen bitte an: Polizeiakademie Niedersachsen Dezernat 01 / Pressestelle Telefon: 05021/844 -1004 E-Mail: pressestelle@pa.polizei.niedersachsen.de