(KA) Stadt- und Landkreis Karlsruhe – Polizeiliche Kriminalstatistik 2024: Polizeipräsidium Karlsruhe stellt Sicherheitsbilanz aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vor

Im Jahr 2024 hat das Polizeipräsidium Karlsruhe insgesamt 42.398 Straftaten registriert - das sind 2.027 Fälle weniger als im Vorjahr. Damit ist die Kriminalität im Stadt- und Landkreis Karlsruhe um 4,6 Prozent gesunken. Im Landesvergleich liegt der Rückgang über dem Durchschnitt (Baden-Württemberg: -1,2 %). Auch die sogenannte Häufigkeitszahl, die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, ging weiter zurück - von 5.820 auf 5.532. Das ist der zweitniedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre. Karlsruhe bleibt damit landesweit auf Platz 9 unter den 13 Polizeipräsidien. Die Aufklärungsquote sank leicht auf 59,7 Prozent (Vorjahr: 61,5 %) und liegt damit etwas unter dem Landeswert von 62,6 Prozent. "Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten hervorragende Arbeit - das belegen diese Zahlen deutlich. Aber Sicherheit ist mehr als Statistik. Unser Ziel ist, dass die Menschen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe nicht nur sicher sind, sondern sich auch sicher fühlen. Dafür arbeiten wir jeden Tag", betont Polizeipräsidentin Caren Denner. ------------------------- Diebstahl bleibt Spitzenreiter - wenn auch rückläufig Mit 14.459 Fällen machten Diebstahlsdelikte erneut den größten Anteil an der Gesamtkriminalität aus - trotz eines Rückgangs um 266 Fälle. Die Aufklärungsquote lag mit 31,4 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert (33,7 Prozent). ------------------------- Gewalt im öffentlichen Raum bleibt auf konstant hohem Niveau Knapp jede zehnte Straftat im öffentlichen Raum zählte zur sogenannten Aggressionskriminalität. Darunter fallen neben Fällen der Gewaltkriminalität auch einfache Körperverletzungen und tätliche Angriffe. Die Fallzahlen blieben insgesamt nahezu unverändert. "Wir beobachten, dass die Hemmschwelle für Gewalt weiterhin sinkt. Auseinandersetzungen eskalieren zunehmend in körperliche Übergriffe - oft spontan, impulsiv und in der Öffentlichkeit", erklärt Leitender Polizeidirektor Dr. Gustav Zoller. "Mit repressiven Maßnahmen allein können wir dieser Entwicklung nicht entgegenwirken. Es bedarf eines gemeinsamen Engagements - durch Schulen, Vereine, Sozialarbeit und die Zivilgesellschaft." Auffällig ist auch die Zahl an Straftaten mit Messerbeteiligung: 190 Fälle wurden 2024 im öffentlichen Raum registriert - ein Anstieg um rund fünf Prozent. ------------------------- Unterschiedliche Entwicklungen bei der Straßenkriminalität Straftaten die ausschließlich oder überwiegend auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen (einschließlich öffentlicher Verkehrsmittel) begangen wurden, entwickelten sich je nach Region unterschiedlich: Während im Landkreis ein Anstieg um 362 Fälle zu verzeichnen war, sanken die Fallzahlen im Stadtkreis Karlsruhe um knapp fünf Prozent. ------------------------- Mehr Wohnungseinbrüche - aber viele bleiben im Versuchsstadium Die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle stieg deutlich an - um über 20 Prozent. Damit wurde der höchste Wert der letzten sieben Jahre erreicht. In rund der Hälfte der Fälle blieb es jedoch beim Versuch. Häufig hebelten die Täter Fenster oder Türen auf - meist organisiert vorgehend, in vielen Fällen bandenmäßig agierend aus dem ost- oder südosteuropäischen Raum. "Ein Wohnungseinbruch ist für die Betroffenen mehr als ein finanzieller Schaden - er bedeutet oft einen tiefen Einschnitt ins Sicherheitsgefühl", erklärt Kriminaldirektor Detlef Erny. "Deshalb legen wir nicht nur Wert auf intensive Ermittlungen, sondern setzen auch auf nachhaltige Prävention: technische Sicherungen, Beratung, Kontrollmaßnahmen und Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft zeigen Wirkung." ------------------------- Betrügerische Anrufe rückläufig - auch dank Prävention Die Zahl betrügerischer Anrufstraftaten wie "Enkeltrick", "Schockanruf" oder "angeblicher Polizeibeamter" ging 2024 erneut zurück. Es wurden 72 Inlandsstraftaten registriert, von denen 15 vollendet wurden - zehn davon konnten aufgeklärt werden. Der entstandene Vermögensschaden sank deutlich: von über zwei Millionen Euro im Vorjahr auf knapp 520.000 Euro. Auch die Zahl sogenannter Auslandsstraftaten nahm ab (von 591 auf 389 Fälle). "Das zeigt, dass unsere Präventionsmaßnahmen ankommen - insbesondere bei älteren Menschen. Aber die Täter sind hochprofessionell und passen ihre Methoden an. Wir müssen und werden hier wachsam bleiben", so Erny. ------------------------- Körperverletzungsdelikte bleiben stabil - aber belastend Die Zahl der Körperverletzungen blieb weitgehend konstant. Während im Landkreis ein Rückgang um 5,5 Prozent verzeichnet wurde, gab es im Stadtkreis einen leichten Anstieg (+1,7 %). Die gefährlichen oder schweren Körperverletzungen lagen mit 1.006 Fällen auf dem vierthöchsten Stand der letzten zehn Jahre. Die Aufklärungsquote bleibt hoch: 89,9 Prozent. ------------------------- Sexualdelikte - Rückgang bei digitaler Verbreitung Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gingen insgesamt um 5,6 Prozent zurück. Besonders deutlich war der Rückgang bei der Verbreitung pornografischer Schriften, insbesondere im digitalen Raum (- 23 %). Etwa ein Drittel aller Sexualdelikte ereignete sich im öffentlichen Raum. Von 106 angezeigten Vergewaltigungen fanden 27 im öffentlichen Raum statt. ------------------------- Straftaten gegen das Leben nehmen deutlich zu 2024 wurden im Präsidiumsbereich 36 Straftaten gegen das Leben registriert - das sind 17 Fälle mehr als im Vorjahr. 19 davon blieben im Versuchsstadium. Häufig handelt es sich um innerfamiliäre oder partnerschaftliche Tatkonstellationen. ------------------------- Rauschgiftkriminalität fast halbiert - Folge der Cannabis-Gesetzgebung Die seit April 2024 geltende Teillegalisierung von Cannabis wirkte sich spürbar auf die Statistik aus: Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank um fast 50 Prozent und verzeichnete somit zum vierten Mal in Folge einen Rückgang. Der Stadtkreis war mit 799 Fällen (über 61 %) besonders betroffen. Es wurden elf drogenbedingte Todesfälle registriert, im Jahr 2023 waren es noch neun. ------------------------- Gewalt gegen Einsatzkräfte weiter gestiegen Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamtinnen und -beamte stieg um 13,9 Prozent auf 426 Fälle. Insgesamt wurden 858 Einsatzkräfte geschädigt - 249 erlitten leichte, ein Beamter schwere Verletzungen. Die Angriffe ereigneten sich nicht nur bei Zwangsmaßnahmen, sondern zunehmend auch bei alltäglichen Einsätzen wie Verkehrskontrollen oder bei häuslichen Streitigkeiten. "Diese Entwicklung beunruhigt mich zutiefst. Wer Einsatzkräfte angreift, greift die Menschen an, die unser aller Sicherheit garantieren - das ist nicht hinnehmbar", sagt Polizeipräsidentin Denner. "Wir erwarten, dass diese Angriffe gesellschaftlich geächtet und strafrechtlich konsequent verfolgt werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen Respekt - nicht Gewalt." ------------------------- Partnergewalt auf Zehnjahreshoch Die Zahl der registrierten Fälle häuslicher Gewalt - polizeilich als Partnergewalt definiert - stieg erneut auf nun 1.185 Fälle und damit auf den höchsten Stand der letzten zehn Jahre. Der Anstieg ist auch auf verbesserte Erkennung aufgrund Schulungen und die seit 2021 eingerichtete Koordinierungsstelle für häusliche Gewalt zurückzuführen. ------------------------- Cyberkriminalität sinkt - Täter werden jünger Die Cyberkriminalität sank im vierten Jahr in Folge - diesmal um 12,3 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger weiter an. Rund ein Viertel aller Tatverdächtigen war jünger als 21 Jahre, drei Viertel waren männlich. ------------------------- Fazit: Positive Entwicklung - aber kein Anlass zum Zurücklehnen "Die Kriminalitätsentwicklung im Jahr 2024 zeigt: Unsere polizeiliche Arbeit ist wirksam. Besonders dort, wo Menschen infolge betrügerischer Maschen massiv in ihrer Lebenssicherheit getroffen werden, konnten wir Rückgänge erzielen", so Polizeipräsidentin Denner. "Gleichzeitig sehen wir bei Gewalt- und Aggressionsdelikten Entwicklungen, die uns große Sorgen bereiten. Wir werden diese genau beobachten und gemeinsam mit Partnern aus Justiz, Kommunen und Gesellschaft gegensteuern. Denn: Sicherheit ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe." ------------------------- Hinweis an die Redaktionen: Eine detaillierte Übersicht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 des Polizeipräsidiums Karlsruhe finden Sie online unter: https://ppkarlsruhe.polizei-bw.de/statistiken/ Franz Henke, Pressestelle Rückfragen bitte an: Polizeipräsidium Karlsruhe Telefon: 0721 666-1111 E-Mail: pressestelle.ka@polizei.bwl.de