Jubiläum der Polizeifliegerstaffel NRW: Für die Sicherheit der Menschen und zur Unterstützung der Einsatzkräfte am Boden – 250.000 Stunden in der Luft
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Anfang März war es soweit. Die Polizeifliegerstaffel NRW - angesiedelt beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW) - erreichte ihre 250.000ste Flugstunde. Seit ihrer Gründung im Jahr 1962 waren die Einsatzkräfte der Polizeifliegerstaffel NRW nun schon generationen- und maschinenübergreifend 250.000 Stunden für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie zur Unterstützung bei verschiedensten Einsatzlagen in der Luft.
Die Jubiläumsstunde kam genau zwischen zwei Einsätzen zustande. Gegen kurz nach 23:00 Uhr waren unsere Kollegen am 7. März auf dem Rückflug von einer Vermisstensuche in Telgte bei Münster, als sie von einem so genannten "Einbruch Täter am Ort" in ein Wohnhaus in Münster erfuhren. Statt also zurück nach Düsseldorf zu fliegen, steuerten die Piloten kurzerhand um und entdeckten eine Person, die auf der rückwärtigen Gebäudeseite von außen an einem Fenster hing. Auch als der Tatverdächtige in den Garten sprang und sich hier versteckte, behielt der Operator den Mann im Blick, bis er durch die Einsatzkräfte am Boden festgenommen werden konnten.
Hier geht es zur Pressemeldung unserer Münsteraner Kollegen:
https://muenster.polizei.nrw/presse/versuchter-wohnungseinbruch-in-mauritz-polizeihubschrauber-im-einsatz
Der neue Direktor des LZPD NRW, Markus Hattwig, würdigt die Leistungen der Staffel:
"Seit jeher arbeiten gut ausgebildete und hochmotivierte Menschen bei der Polizeifliegerstaffel NRW. In der Luft und genauso am Boden. Auch ihnen ist es seit 1962 zu verdanken, dass im Rahmen der 250.000 Flugstunden vermisste oder suizidgefährdete Menschen gerettet, Straftäter festgenommen und seit jüngerer Geschichte auch Waldbrände gelöscht wurden. Den Einsatzkräften wünsche ich für die nächsten 250.000 Flugstunden allzeit guten Flug und glückliche Landung!"
Und auch der Leiter der Polizeifliegerstaffel NRW, Polizeidirektor Alberto Coppola, würdigt die Leistung seiner Mannschaft: "Ein bedeutender Meilenstein ist für die Polizeifliegerstaffel erreicht. Der Dienst in der Luft erfordert neben einem hohen Maß an körperlicher und mentaler Fitness auch polizeifachliche Expertise, um den Einsatzkräften am Boden bestmögliche Unterstützung zu gewähren Die Anforderungen an den polizeilichen Flugdienst sind hoch und haben sich in den Jahrzehnten stark verändert und werden sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Die hohe Leistungsbereitschaft der fliegenden Besatzung und die Leistungsfähigkeit des H145 bilden dabei eine hocheffiziente Kombination zur Erfüllung des polizeilichen Auftrages."
Wie entschlossen die Besatzungen (Piloten und Operator) agieren, zeigt sich immer wieder.
So haben die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr beispielsweise, eine hilflose Person im fließenden Gewässer mit Hilfe des Abwindes der Rotorblätter an Land geweht oder einen vermissten Herrn, der stundenlang in einem überschwemmten Gebiet nahe des Mönchengladbacher Flughafens ausharrte, gerettet. Da dem Mann auf dem normalen Landweg niemand zu Hilfe kommen konnte, musste der Hubschrauber knapp einen Kilometer entfernt von dem aus der Luft entdeckten Standort des Mannes landen. Von dort machten sich der Operator und der Copilot durch knietiefen Matsch und stachelige Brombeersträucher auf den Weg zu dem unterkühlten Mann und trugen ihn zurück zum Hubschrauber. Von dort ging es dann auf das Gelände des Flughafens, wo bereits ein Krankenwagen wartete.
Auch bei der Flutkatastrophe im Jahr 2021 waren die Kolleginnen und Kollegen über ihre Belastungsgrenze hinaus im Einsatz. Obwohl es nicht zu den polizeilichen Aufgaben gehört, hat die Polizeifliegerstaffel NRW natürlich ihren Beitrag geleistet, um Menschen von den Dächern in überfluteten Gebieten zu retten.
Die ersten beiden "Hummeln" (Hummel ist das Rufzeichen der Polizeifliegerstaffel NRW), die optisch eher an Libellen erinnern, waren italienische Hubschrauber des Typs Bell 47. Nach zwei Jahren im Dienst des Landes NRW kam man zu dem Entschluss, dass man für die Aufgaben der ersten Polizeihubschrauberstaffel doch leistungsstärkere Maschinen benötigte. Man hat die beiden italienischen Modelle daher an die gerade gegründete Polizeihubschrauberstaffel nach Hamburg verkauft und 1964 auf das französische Modell Alouette II gesetzt. Von den insgesamt sechs Hubschraubern, die man bis 1970 angeschafft hatte, erlitten zwei Maschinen im Jahr 1977 flugunfallbedingte Totalschäden. 1972 wurden die ersten Alouette III - Modelle angeschafft, die bis 1979 im Einsatz waren.
Obwohl dieser Hubschraubertyp bei den damaligen Piloten sehr beliebt war, verbindet die Polizei NRW doch auch eine sehr traurige Geschichte mit einer dieser Maschinen. Am 4. April 1978 stürzten zwei unserer Kollegen mit diesem Modell in Afferde bei Unna ab und wurden dabei getötet.
Neben der 1972 beschafften Alouette III wurde im selben Jahr auch das französische Modell "Gazelle" für die damalige Polizeihubschrauberstaffel NRW eingeführt. Dieser Typ war bis 1988 im Einsatz. Am 14. Oktober 1978 stürzte ein Hubschrauber dieses Typs aufgrund eines Triebwerkausfalls im Bereich des Kamener Kreuz ab. Wie durch ein Wunder konnte sich die damalige Besatzung leichtverletzt aus dem völlig zerstörten Wrack befreien.
Das erste deutsche Hubschraubermodell erhielt die Polizeifliegerstaffel 1978. Auf dem Typ Bölkow Bo 105 CBS 4 absolvierten die Piloten bis zum Jahr 2005 über 80.000 Flugstunden.
Das Geiseldrama in Gladbeck im Jahr 1988 zeigte, dass man zur Erfüllung taktischer Maßnahmen und für den Transport von Spezialeinheiten ein größeres Hubschraubermodell benötigte. 1990 war es dann soweit und die erste BK 117 wurde an die Polizei NRW ausgeliefert. Insgesamt vier Hubschrauber dieses Typs bildeten bis ins Jahr 2017 das Rückgrat der Polizeifliegerstaffel NRW.
1999 erweiterte die Polizei NRW, die Flotte um Flächenflugzeuge. Diese Flugzeuge sind bis heute im Einsatz. Aus der Polizeihubschrauberstaffel wurde dadurch im Jahr 2000 die Polizeifliegerstaffel NRW (PFSt NRW).
Seit 2002 ergänzten zusätzlich zwei Eurocopter EC155 die Flotte der Polizeifliegerstaffel die vornehmlich für den Einsatz mit Spezialeinheiten genutzt wurden. Im September 2016 erhielt die Staffel ihren ersten Airbus H145 der die Mehrmusterflotte ablöste. Die verbliebenen BK 117 und EC 155 wurden sukzessive verkauft.
Mittlerweile verfügt die PFSt NRW über sechs Hubschrauber des Typs H145-D3. Der Hubschrauber ist für alle polizeilichen Anforderungen wie den 24-Stunden-Dienst mit Such- und Fahndungseinsätzen, als Einsatzhubschrauber für die Spezialeinsatzkommandos, im Luftraumschutz oder als unterstützendes Einsatzmittel für die vielfältigen polizeilichen Einsatzlagen geeignet. Seit dem Jahr 2021 ist die PFSt NRW auch bei der Brandbekämpfung aus der Luft eine zuverlässige Unterstützung. Seit 2016 absolvierten unsere Kolleginnen und Kollegen bereits 20.000 Flugstunden mit diesem Hubschraubertyp.
Auch wenn sich die Technik und das Aufgabenportfolio über die Jahrzehnte immer wieder verändert haben, ist doch eines gleich geblieben - der Faktor Mensch!
Rückfragen bitte an:
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW
Pressestelle LZPD NRW
Telefon: 0203 4175 81444
E-Mail: pressestelle.lzpd@polizei.nrw.de