Polizeidirektion (PD) Hannover zieht Bilanz zu Versammlungslagen und Halloween-Einsatz

Am Samstag, 31.10.2026, war die Polizei Hannover im Rahmen eines großflächigen Einsatzes im gesamten Stadtgebiet gefordert. Neben insgesamt fünf angezeigten sowie spontanen Versammlungen lag ein wesentlicher Schwerpunkt der polizeilichen Maßnahmen auf der Begleitung des diesjährigen Halloween-Geschehens. Versammlungslage Über den Tag verteilt begleitete die Polizei fünf unterschiedliche Versammlungen. Die Versammlung unter dem Motto "Gegen das Trans-Register in BW" begann verzögert um 13:20 Uhr an der Lutherkirche. Der Aufzug startete mit 50 Personen und erreichte den Abschlusskundgebungsort "Am Küchengarten" ohne Störungen. Den Schwerpunkt bildete die Versammlung "Gen Z regelt: Jugendprotest gegen Militarisierung". In der Spitze nahmen bis zu 5.800 Personen an dem Aufzug teil. Der Start auf dem Ernst-August-Platz verzögerte sich, da sich einige Teilnehmende ihre Gesichter verdeckt hatten. Da bei Versammlungen ein Vermummungsverbot gilt, mussten die Vermummungen abgelegt werden. Auch während des Aufzugs passierte das mehrfach. Die Zwischenkundgebung fand am Steintorplatz statt. Während des Aufzugs kam es mehrfach zum Zünden von Nebeltöpfen und Pyrotechnik. Die Einsatzkräfte der Polizei konnten einzelne mutmaßliche Täter ermitteln und deren Identitäten feststellen. Dafür musste der Aufzug mehrmals kurzzeitig gestoppt werden. Im Bereich der Fußgängerzone zwischen Steintor und dem Antreteplatz der Versammlung stellte die Polizei zudem etwa 30-50 Personen aus dem Umfeld einer Biker-Gruppierung fest, die einheitliche weiße Armbinden mit einer markanten Aufschrift trugen und von denen sich ein Teil in Richtung des Antreteplatzes der Versammlung am Ernst-August-Platz bewegte. Sofort nach Bekanntwerden der Personengruppen kontrollierten die Einsatzkräfte eine Personengruppe in der Bahnhofstraße nahe des Antreteplatzes der Versammlung sowie zwei weitere Kleingruppen in der Fußgängerzone. In einer Gefärderansprache bei einem führenden Mitglied der Gruppierung verdeutlichte die Polizei, dass ein geschlossenes Auftreten mit diesen Armbinden in der Innenstadt nicht geduldet wird, woraufhin die Armbinden abgelegt wurden. Als die Versammlung "Gen Z regelt" an einem Pub am Steintor vorbeizog, in dem sich weitere Angehörige der Gruppierung aufhielten, welche in größerer Anzahl vor dem Pub auf dem Gehweg standen, trennte die Polizei beide Gruppen durch den Einsatz von Funkstreifenwagen sowie einer Polizeikette optisch und räumlich voneinander. Es kam zu keinen Störungen des Aufzuges. Der Versammlungsaufzug "Gen Z regelt" endete mit einer Abschlusskundgebung auf dem Klagesmarkt. In diesem Bereich soll eine Frau Pyrotechnik gezündet haben. Daraufhin wurde sie von der Polizei kontrolliert. Aus der Versammlung heraus gab es Solidaritätsbekundungen. Nach Beendigung der Versammlung wurde von einzelnen Personen Pyrotechnik gezündet. Hierbei wurden zwei Beamte mit Böllern beworfen, von denen einer leicht verletzt wurde; er bleibt weiterhin dienstfähig. Die Tatverdächtigen konnten bislang nicht ermittelt werden. Die Versammlungsleitung konnte aufgrund einer völlig unzureichenden Ordnerzahl nur sehr begrenzt Einfluss auf die Versammlung nehmen, so dass die Polizei diese Aufgabe in Teilen übernehmen musste. Auf das Erfordernis einer ausreichenden Ordnerzahl wurde sie bereits einen Tag zuvor im Kooperationsgespräch hingewiesen. Daher leitete die Polizei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Versammlungsleitung ein. Gegen 17:20 Uhr bildeten 33 ehemalige Teilnehmende der Versammlung "Gen Z regelt" eine Spontanversammlung "Am Klagesmarkt", die nach fünf Minuten beendet wurde. Besonders gut bewährt hat sich der Einsatz der Konfliktmanager der niedersächsischen Polizeidirektionen: Viele kleine Störungen bei der Versammlung konnten kommunikativ durch die Konfliktmanager gelöst werden, ohne dass die Polizei einschreiten musste. Gegen 15:00 Uhr stellte die Polizei am Kröpcke / Ecke Bahnhofstraße eine nicht angezeigte Versammlung unter dem Titel "Menschenrechte im Iran" mit 5 bis 10 Personen fest, die Plakate und Flaggen zeigten. Gegen die Versammlungsleitung wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen der fehlenden Anzeige eingeleitet. Im Verlauf versuchten Unbekannte, eine gezeigte Flagge zu stehlen. Zwei Jugendliche beleidigten zudem einen Teilnehmer, ehe die Versammlung gegen 16:10 Uhr endete. Die Versammlung musste durchgehend von der Polizei begleitet und geschützt werden. Eine weitere Spontanversammlung wurde ab 20:15 Uhr von 9 Personen im Alter von 13 bis 16 Jahren als Mahnwache auf dem Gehweg gegenüber dem Polizeikommissariat Mitte durchgeführt. Grund dafür war die Inobhutnahme eines gerade erst zehnjährigen Kindes, das am Steintor einen Sprengkörper gegen die Einsatzkräfte der Polizei geworfen hatte. Die Spontanversammlung verlief störungsfrei und endete gegen 21:00 Uhr. Halloween-Einsatz Der zeitgleich geführte Halloween-Einsatz der Polizei erstreckte sich über den Nachmittag bis in die Nachtstunden. In der Hannoverschen Innenstadt verlief der späte Nachmittag ruhig bei gewohntem Feiertagstrubel. Später am Abend wurde in ein Bekleidungsgeschäft in der Karmarschstraße eingebrochen. Zwei jugendliche Täter entkamen unerkannt mit gestohlener Kleidung. Spät in der Nacht war in den Straßen kaum noch etwas los. In Ricklingen krachten im Laufe des Abends immer wieder Böller, zudem fielen vermummte Gruppen auf. Bei Kontrollen entdeckten die Einsatzkräfte mehrfach selbst gebaute Spreng- und Brandvorrichtungen, darunter mit Benzin und Pyrotechnik präparierte Flaschen (siehe Foto). Als Beschuldigte wurden zwei Jugendliche ermittelt. Gesamteinsatzleiter Polizeidirektor Tobias Giesbert findet zu diesem ernsten Vorfall deutliche Worte: "Mit dem Fund in Ricklingen haben wir eine neue, hochgefährliche Dimension erreicht. Eine Benzinbombe mit Pyrozündung, im Grunde ein Molotowcocktail, ist kein Jugendstreich mehr, sondern ein direkter Angriff auf das Leben von Menschen. Hätte diese Vorrichtung gezündet oder Personen getroffen, wären schwerste bis tödliche Verletzungen die Folge gewesen. Wer eine solche Gefahr schafft, nimmt ein versuchtes Tötungsdelikt billigend in Kauf. Solche Taten werden konsequent verfolgt und führen zu langen Haftstrafen." Eine gemeldete Gruppe von rund 100 Personen mit Fackeln auf dem Mühlenberger Markt traf die Polizei vor Ort nicht mehr an. Zudem unterstützten Einsatzkräfte das Polizeikommissariat Ronnenberg, nachdem dort Kinder mit Böllern beworfen worden waren. Dies führte zur Festnahme eines Beschuldigten und der Sicherstellung mehrerer verbotener Böller. In der Gronostraße hatten Unbekannte einen Kleinst-Pkw auf der Fahrbahn auf das Dach gedreht, weshalb ein Abschleppfahrzeug hinzugezogen werden musste. Im Bereich Vahrenheide brannten mehrere Container sowie in Misburg ein Wohnmobil. Die Polizei sicherte dabei jeweils die Löscharbeiten der Berufsfeuerwehr ab. In der Vogelsbergstraße wurden Einsatzkräfte gezielt mit Böllern beworfen. An der Haltestelle "Alte Heide" demolierten Unbekannte die Straßenbeleuchtung. Als die Polizei daraufhin eine 30-köpfige Gruppe kontrollieren wollte, leisteten einige Personen Widerstand. Während der laufenden Datenaufnahme vor Ort besprühten Jugendliche zudem einen Funkstreifenwagen mit Farbe. An der Noltemeyerbrücke ertappte die Polizei sechs bis sieben Jugendliche, die zuvor Fahrradschlösser geknackt und die Räder in den Mittellandkanal geworfen hatten. Gegen 23:00 Uhr nahm die Polizei nach einem weiteren Containerbrand in der Leipziger/Dresdener Straße drei jugendliche Tatverdächtige vorläufig fest. In Döhren/Laatzen beschädigten Jugendliche auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Laatzen mehrere geparkte Autos. Zu einer gefährlichen Situation im Straßenverkehr führte ein Vorfall in der Marktstraße, als unbekannte Jugendliche einen Feuerlöscher auf ein fahrendes Taxi warfen. Zudem verzeichnete die Polizei gemeldete Gruppen böllernder Jugendlicher im Bereich der Pappelallee. Sehr gut angenommen wurde das digitale Präventions- und Betreuungsangebot "Gaming-Koffer" der Polizei: In der Spitze nutzten bis zu 50 Jugendliche gleichzeitig das Angebot vor Ort, insgesamt wurden rund 150 Jugendliche betreut. Die vorläufige Bilanz des Einsatztages auf einen Blick "Der überwiegende Teil der Bevölkerung war friedlich unterwegs, um Halloween zu feiern oder Versammlungsrechte wahrzunehmen. Dennoch hat dieser intensive Einsatztag unseren Polizeibeamten viel abverlangt. Es ist völlig inakzeptabel, dass Unbeteiligte durch Böllerwürfe gefährdet und Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen wurden. Auch Sachbeschädigungen und Angriffe jeglicher Art tolerieren wir keinesfalls. Sie werden konsequent strafrechtlich verfolgt. Mein Dank gilt allen Polizeibeamten für ihren unermüdlichen Einsatz bis tief in die Nacht", bilanziert der Einsatzleiter, Polizeidirektor Tobias Giesbert. Im Bereich der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung führte die Polizei insgesamt 189 Durchsuchungen von Personen sowie 43 Gefährderansprachen durch. Zudem gab es 3 vorläufige Festnahmen sowie 16 Sicherstellungen beziehungsweise Beschlagnahmen. Zur Durchsetzung von Maßnahmen wandten die Einsatzkräfte 55-mal einfache körperliche Gewalt durch Schieben an und führten 5 Fesselungen durch. Insgesamt leitete die Polizei 31 Ermittlungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Diese gliedern sich in 10 Verstöße gegen das Waffengesetz, 6 Verstöße gegen die Sprengstoffverordnung, 5 Ordnungswidrigkeiten nach dem Versammlungsgesetz, 2 Widerstandshandlungen und einen tätlichen Angriff auf Einsatzkräfte sowie 2 Sachbeschädigungen und 5 sonstige Straftaten. /nash Rückfragen bitte an: Polizeidirektion Hannover Natalia Shapovalova Telefon: 0511 109-1040 E-Mail: pressestelle@pd-h.polizei.niedersachsen.de