Uraufführung von „Entscheidungen“ – Ein Theaterstück gegen Alkohol und Drogen
TREBGAST, LKR. KULMBACH. „Los, probier doch mal! Sei doch nicht so eine Spaßbremse.“ – „Ich bin keine Spaßbremse!“ Und schon ist es geschehen. Der erste Shot. Der erste Zug. Ist abgefahren. „Entscheidungen“ lautet der Titel eines Schauspiels, dessen Uraufführung am Mittwoch, 6. Mai, in der Kulmbacher Dr. Stammberger-Halle über die Bühne ging. „Entscheidungen“ ist das Ergebnis eines Theaterprojektes für das die Polizei Oberfranken, die Naturbühne Trebgast und das Kulmbacher Casper-Vischer-Gymnasium zusammengearbeitet haben. Ziel ist es, Jugendliche für die Risiken von Alkohol und Rauchen zu sensibilisieren. Sie stark zu machen. Prävention ohne erhobenen Zeigefinger.
Suchtprävention ist ein wichtiges Thema für die Polizei. Suchtprävention ist im Lehrplan verankert – für Schulen interessant. Suchtprävention stieß bei Anja Dechant-Sundby sofort auf offene Ohren, als Jochen Bergmann, der polizeiliche Präventionsberater bei der Bayreuther Kriminalpolizei mit ihr darüber zufällig ins Gespräch kam.
„Mir war es sofort wichtig, da was zu machen – ich finde, wir haben da eine Verantwortung. Theater öffnet. Wir können den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und sie emotional bewegen.“
Dechant-Sundby und Bergmann entwickelten ihre Idee weiter und holten das Caspar-Fischer-Gymnasium Kulmbach und die Theaterpädagogin Lena Scholle mit ins Boot.
An der Schule gab es eine Projektwoche der Klasse 7a, in der die Schülerinnen und Schüler zum einen jede Menge Input von außen bekamen – zum Beispiel Gespräche mit ehemals Süchtigen – als auch sehr viel über ihre eigenen Gefühle und Gedanken reflektierten. Das Theaterstück startet mit Audios der Schülerinnen und Schüler, ihren Wünschen, Ängsten und Sorgen – absolut authentisch. „Die Klasse hat uns jede Menge Input gegeben, berichtet Dechant-Sundby. Nicht nur gesprochene Texte. Die 7a hat sich in der Projektwoche auch in kreativem Schreiben ausprobiert und persönlichen Geschichten verfasst sowie jede Menge Listen mit Assoziationen und Schlagwörtern.
Auf dieser Basis entstand das Stück. Innerhalb von acht Wochen hat Lena Scholle mit dem Team der Naturbühne daraus ein Theaterstück entwickelt, das Regisseur Lukas Reinsch eindrucksvoll inszenierte. „Sie hat es geschafft, euch sprechen zu lassen“, sagt Dechant-Sundby bei der Uraufführung zu den Jugendlichen im Publikum. „Das war schon abgefahren, da jetzt unsere Sätze auf der Bühne zu hören“, sagt Elif aus der 7a nach der Uraufführung. Was die Theaterprofis aus ihrem Input gemacht haben, sah auch die Klasse erst am Premierentag.
Auf der Bühne stehen Philipp Rahn und Nadja Schimonsky, zwei professionelle Schauspieler, die selbst noch unter 30 Jahre alt sind. Im ersten Teil lernen sie sich als Jugendliche kennen – und lieben. Am Bahnsteig, auf einer Party, bei sich zu Hause. Der eine versucht die andere zu überreden, doch auch mal zu vapen – beruhigt doch so schön. Die andere muss ihn erst einmal vor der Türe stehen lassen, um in der Wohnung kurz aufzuräumen, weil die alkoholkranke Mutter das nicht mehr hinbekommt.
Im Laufe der Zeit werden sie älter. Sie haben ein Baby und Streit, weil er nach der Arbeit erstmal ein Bier braucht und ihre Verabredung vergisst. Als aus dem Baby ein Jugendlicher wurde, fragt der sich: „Wann trennt ihr euch endlich?“ Doch erstmal („das letzte Mal!“) lässt sich die Mutter breitschlagen, für den Vater Alkohol zu besorgen, damit der nicht auch noch seinen Führerschein verliert. Das Spiel der beiden Protagonisten wird immer wieder von Einspielungen von Zitaten oder kurzen Geschichten der Jugendlichen selbst ergänzt und von textlich passenden Musikstücken untermalt.
Viele Zwänge werden sichtbar: Der Gruppenzwang. „Wenn du nicht mitmachst, bist du nicht cool“, sagt Annalena aus der 7a schulterzuckend im Gespräch vor der Vorstellung. „Warum muss ich mich eigentlich dafür rechtfertigen, nichts trinken zu wollen, und nicht die anderen?“, fragt Nadja Schimonsky empört im Gespräch nach der Vorstellung.
Rauchen und Saufen sind auch heute noch ein großes Thema und Präventionsarbeit auch heutzutage nach wie vor wichtig. „Einmal ziehen macht doch nichts, davon wirst du doch nicht süchtig!“, hat Luise aus der 7a schon gesagt bekommen. „Die 18-Jährigen kaufen mit dir ein, was du willst“, berichten die Mädchen. Oder, manchmal sogar die Eltern. „Sogar meine Oma hat mich schonmal gefragt, ob ich mal ziehen will!“
Bei der Premiere standen zum Applaus gemeinsam mit den Schauspielern, dem Regieteam, den Vertretern der Naturbühne Trebgast und der Polizei Oberfranken auch die Klasse 7a des CVG auf der Bühne. Das Publikum, darunter auch die Sponsoren, Landrat, Vertreter der Regierung von Oberfranken sowie des Polizeipräsidiums Oberfranken und Lehrer anderer oberfränkischer Schulen war tief bewegt angesichts der Authentizität der Aufführung sowie der schauspielerischen Leistung.
„Ich denke schon, dass unser Projekt was geholfen hat, weil es auch die Auswirkungen zeigt“, sagt Isabella aus der 7a. „Es ist gut gemacht“, sagt ihr Mitschüler Emil. Damit das Stück von viel mehr Schülerinnen und Schülern gesehen werden kann, geht es ab sofort auf Reise. Dank eines Spendentopfes für das Projekt kann es von Schulen gegen einen Eigenanteil für Aufführungen in den eigenen Räumen gebucht werden.
Info:
Sie wollen „Entscheidungen“ für Ihre Schülerinnen und Schüler? Das Theaterstück kann auf Reisen gehen. Schauspieler und Bühnenbild kommen zu Ihnen in die Schule, zum Beispiel auf eine Bühne in der Turnhalle. Bitte wenden Sie sich per E-Mail an spielraum@dienaturbuehne.de, um verfügbare Termine sowie die Kosten zu erfragen.