Emsland/Grafschaft Bentheim – Mit bis zu 60 km/h unterwegs – Polizei warnt vor manipulierten Fatbikes
Sie sehen aus wie Fahrräder, erreichen jedoch teilweise Geschwindigkeiten von über 50 km/h: Manipulierte Fatbikes bereiten der Polizei zunehmend Sorgen. Besonders in der Grafschaft Bentheim stellen die Einsatzkräfte eine steigende Zahl technisch veränderter Fahrzeuge fest. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind mit den Zweirädern unterwegs - häufig ohne Helm, ohne Versicherungsschutz und ohne sich der erheblichen Gefahren bewusst zu sein.
Während Fatbikes im Emsland bislang noch eher vereinzelt im Straßenbild auffallen und dort nach wie vor E-Scooter häufiger Anlass für polizeiliche Maßnahmen geben, beobachtet die Polizei insbesondere im Bereich der Grafschaft Bentheim eine deutliche Zunahme manipulierter Fatbikes. Wiederkehrende Verkehrsunfälle, Bürgerbeschwerden sowie die zunehmende Zahl an Fahrzeugen ohne Versicherungsschutz oder mit technischen Manipulationen haben die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim dazu veranlasst, die Kontrollen deutlich zu intensivieren.
Schwerpunktkontrollen bestätigen den Trend
Bereits am 2. Juli 2026 führte die Polizei im Nordhorner Stadtgebiet eine erste Schwerpunktkontrolle durch. Zwischen 10:30 Uhr und 16:30 Uhr kontrollierten die Einsatzkräfte insgesamt 20 Fatbikes und E-Scooter. Dabei wurden 16 Ordnungswidrigkeiten sowie fünf Straftaten festgestellt. Ein manipuliertes Fatbike wurde sichergestellt, nachdem dessen Fahrer trotz einer zuvor festgestellten Fahrt ohne Fahrerlaubnis kurze Zeit später erneut mit dem Fahrzeug unterwegs war. Das Fahrzeug erreichte eine Geschwindigkeit von rund 50 km/h und verfügte weder über die erforderliche Pflichtversicherung noch über eine gültige Zulassung.
Eine Woche später, am 9. Juli 2026, setzte die Polizei ihre Kontrollen fort und weitete diese auf das gesamte Nordhorner Stadtgebiet aus. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte dabei unter anderem durch Kontaktbeamte der Polizeiinspektion Lingen, einen Beamten der Verkehrsprävention des Polizeikommissariats Nordhorn sowie einen Kollegen der niederländischen Politie aus Oldenzaal.
Insgesamt wurden 101 Fahrzeuge, darunter 44 Fatbikes, kontrolliert. Die Bilanz: 26 Ordnungswidrigkeiten sowie zehn Straftaten, darunter vier Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und sechs Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Darüber hinaus wurden drei manipulierte Fatbikes sichergestellt.
Für die Polizei bestätigen die Ergebnisse beider Kontrolltage, dass manipulierte Fahrzeuge zunehmend im Straßenverkehr anzutreffen sind und gezielte Kontrollen weiterhin erforderlich bleiben.
Aus dem Fahrrad wird schnell ein Kraftfahrzeug
Vielen Nutzerinnen und Nutzern ist nicht bewusst, dass bereits wenige technische Veränderungen erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Wird die Motorunterstützung manipuliert oder die zulässige Höchstgeschwindigkeit aufgehoben, handelt es sich häufig nicht mehr um ein Fahrrad, sondern um ein zulassungspflichtiges Kraftfahrzeug.
Je nach Art der Manipulation können unter anderem folgende Verstöße vorliegen:
- Fahren ohne die erforderliche Fahrerlaubnis, - Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, - Erlöschen der Betriebserlaubnis, - Verstöße gegen zulassungsrechtliche Vorschriften, - weitere verkehrsrechtliche Verstöße bis hin zur Sicherstellung
des Fahrzeugs.Besonders schwerwiegend sind die möglichen finanziellen Folgen nach einem Verkehrsunfall. Besteht für ein manipuliertes Fahrzeug kein vorgeschriebener Versicherungsschutz, müssen die Verantwortlichen unter Umständen für sämtliche entstandenen Sach- und Personenschäden selbst aufkommen. Gerade bei schweren Verletzungen können schnell Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen entstehen, die sich auf mehrere zehntausend oder sogar hunderttausende Euro belaufen können. Auch Eltern sollten sich dieser möglichen Konsequenzen bewusst sein, wenn ihre minderjährigen Kinder solche Fahrzeuge nutzen.
Hohe Geschwindigkeit, fehlender Schutz, schwerwiegende Folgen
Besonders kritisch bewertet die Polizei die Kombination aus hohen Geschwindigkeiten und fehlender Schutzausrüstung. Viele Fahrerinnen und Fahrer sind ohne Helm unterwegs und unterschätzen die Folgen eines Sturzes erheblich.
Dass die Gefahr real ist, zeigen mehrere Verkehrsunfälle aus diesem Jahr. In der Grafschaft Bentheim wurden bereits zahlreiche Unfälle registriert, bei denen Fatbike-Fahrer verletzt wurden. Betroffen waren überwiegend Kinder und Jugendliche. Die Unfälle reichen von Alleinunfällen über Kollisionen mit Fußgängern bis hin zu Zusammenstößen mit abbiegenden Pkw. In einem Fall kollidierte ein 14-jähriger Fatbike-Fahrer beim Überholen mit einem elfjährigen Fußgänger, wobei beide verletzt wurden. In einem anderen Fall waren drei Minderjährige gleichzeitig auf einem Fatbike unterwegs, als es beim Abbiegen eines Pkw zu einem Verkehrsunfall kam(genaue Zahlen können erst im Rahmen der Jahresstatistik erfolgen).
Mit steigender Geschwindigkeit nimmt die Schwere möglicher Verletzungen erheblich zu. Bereits ein Sturz bei 50 oder 60 km/h kann lebensgefährliche Folgen haben. Gleichzeitig steigt auch das Risiko für andere Verkehrsteilnehmer erheblich.
Polizei appelliert an Eltern und junge Fahrer
Die Polizei richtet ihren Appell ausdrücklich auch an Eltern und Erziehungsberechtigte. Vor dem Kauf oder der Nutzung eines elektrisch unterstützten Zweirades sollte genau geprüft werden, um welche Fahrzeugart es sich handelt und ob technische Veränderungen vorgenommen wurden. Nicht jedes Fahrzeug, das wie ein Fahrrad aussieht, darf auch wie ein Fahrrad im öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden.
Zudem kursieren insbesondere in sozialen Medien zahlreiche Anleitungen, mit denen sich Fatbikes innerhalb weniger Minuten manipulieren lassen. Was dort häufig als harmloses "Tuning" dargestellt wird, kann strafrechtliche Konsequenzen haben und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden.
"Viele Jugendliche verbinden mit den manipulierten Fatbikes vor allem Fahrspaß und Geschwindigkeit. Was dabei häufig vergessen wird: Wer mit 50 oder 60 km/h ohne Helm unterwegs ist, hat bei einem Sturz kaum eine Chance, unverletzt zu bleiben. Hinzu kommen die rechtlichen Folgen. Aus einem vermeintlichen Fahrrad wird schnell ein Kraftfahrzeug - mit allen Konsequenzen. Wer ohne den vorgeschriebenen Versicherungsschutz einen Unfall verursacht, riskiert nicht nur ein Strafverfahren, sondern kann für entstandene Schäden persönlich haftbar gemacht werden. Das kann junge Menschen und ihre Familien finanziell über viele Jahre belasten. Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Anzeigen zu schreiben. Wir möchten verhindern, dass junge Menschen durch Leichtsinn ihr Leben oder ihre Zukunft aufs Spiel setzen. Deshalb werden wir unsere Kontrollen konsequent fortsetzen", sagt Polizeioberkommissar Jörg Reurik vom Präventionsteam und Verkehrssicherheitsbereich des Polizeikommissariats Nordhorn.
Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim wird die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten und auch künftig gezielte Kontrollen durchführen. Ziel ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und insbesondere junge Menschen für die erheblichen Gefahren manipulierter Fatbikes und anderer elektrisch betriebener Fahrzeuge zu sensibilisieren.
Rückfragen bitte an:
Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim
Christopher Degner
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