Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Niederbayern für das Jahr 2017


03.04.2018, PP Niederbayern

Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Niederbayern für das Jahr 2017
NIEDERBAYERN. Die Zahl der Straftaten in Niederbayern ohne ausländerrechtliche Delikte ging um 9,5 Prozent auf 43.437 Straftaten zurück, dadurch konnte der Tiefstwert im 10-Jahres-Vergleich erreicht werden.


Mit einer Häufigkeitszahl von 3.562 ist Niederbayern der sicherste Regierungsbezirk in Bayern. „Besonders erfreulich ist der Rückgang der Gewalt- und Straßenkriminalität sowie der Rückgang der Fallzahlen bei den Wohnungseinbrüchen“, so Polizeipräsident Rückl. Die durchwegs positiven Entwicklungen werden durch den Höchststand an Drogentoten im Jahr 2017 getrübt.

HINWEIS:

Die Einbeziehung von ausländerrechtlichen Verstößen in die Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik würde dazu führen, dass die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung verfälscht dargestellt wird. Zuwanderer begehen bereits beim Grenzübertritt i. d. R. einen ausländerrechtlichen Verstoß. 2017 wurden insgesamt 3.947 entsprechende Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz/EU statistisch erfasst. Das stellt gegenüber dem Jahr 2016 einen deutlichen Rückgang um insgesamt 93,4 Prozent dar.

Die Zahlen der im Folgenden dargestellten Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für den Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern wurden deshalb aufgrund der besseren Aussagekraft und Vergleichbarkeit um die ausländerrechtlichen Verstöße bereinigt.

„Trotz einer hohen Einsatzbelastung und einer Vielzahl von Aufgaben ist es den niederbayerischen Polizistinnen und Polizisten 2017 gelungen, die objektive Sicherheit auf hohem Niveau zu halten bzw. weiter auszubauen“, fasst PP Rückl die Sicherheitslage zusammen. Die Aufklärungsquote konnte auf 68 Prozent verbessert und 29.544 Straftaten geklärt werden.

Die geringe Anzahl an Gesamtstraftaten ist im Wesentlichen auf die Rückgänge im Bereich der Gewaltkriminalität (10,2 Prozent auf 1.681 Fälle) und auf den Bereich der Straßenkriminalität (7,3 Prozent auf 7.307 Fälle) zurückzuführen.

Die Maßnahmenbündel zur Bekämpfung der Wohnungseinbrüche zeigten 2017 Wirkung und es konnte eine Senkung der Fallzahlen um 14,2 Prozent auf 459 erreicht werden.

Auch im Kriminalitätsfeld „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ wurde ein Rückgang um 4,0 Prozent auf insgesamt 530 Fälle verzeichnet.

Eine deutliche Steigerung auf 3.351 Fälle war im Bereich der Rauschgiftkriminalität festzustellen. Besonders negativ ist die Entwicklung bei den Drogentoten. Mit 45 verstorbenen Rauschgiftkonsumenten in Niederbayern wurde der mit Abstand höchste Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht.

1. Entwicklung der Gesamtkriminalität

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist 2017 für den Regierungsbezirk Niederbayern einen Rückgang der Straftaten (bereinigt um ausländerrechtliche Verstöße) um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Die Gesamtzahl aller polizeilich registrierten Straftaten haben in Niederbayern um 4.584 Fälle auf insgesamt 43.437 Fälle abgenommen.




2. Aufklärungsquote

68,0 Prozent beträgt die Aufklärungsquote in Niederbayern und liegt deutlich über dem gesamtbayerischen Wert von 64,4 Prozent. Damit kann das Polizeipräsidium Niederbayern erneut einen hohen Wert bei der Aufklärungsquote, einem Indikator für die öffentliche Sicherheit, aufweisen.

3. Häufigkeitszahl

Eine wichtige Vergleichszahl für die „Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung“ stellt die sog. Häufigkeitszahl (HZ) dar. Sie gibt Aufschluss über die erfassten Straftaten im Jahr, gerechnet auf 100.000 Einwohner. Im Berichtsjahr 2017 ist die Häufigkeitszahl in Niederbayern auf 3.562 (2016: 3.962) gesunken. Die um die ausländerrechtlichen Verstöße bereinigte HZ für den Bereich Niederbayern ist die niedrigste der vergangenen zehn Jahre. Im Vergleich mit den übrigen bayerischen Regierungsbezirken belegt Niederbayern im Jahr 2017 den Spitzenplatz und kann deshalb als sicherster Regierungsbezirk bezeichnet werden.

4. Kriminalitätsphänomene und Deliktsbereiche
4.1 Gewaltkriminalität

Nachdem im Vorjahr ein Anstieg im Bereich der Gewaltkriminalität von 15,9 Prozent zu verzeichnen war, sind die Straftaten in diesem Deliktsbereich erfreulicherweise um 10,2 Prozent auf insgesamt 1.681 Fälle zurückgegangen. Die Gewaltkriminalität macht zwar mit 3,5 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Teil an der Gesamtkriminalität aus, sie ist aber für das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger von ganz besonderer Bedeutung. Umso erfreulicher ist die hohe Aufklärungsquote von 87,3 Prozent im Berichtsjahr, die im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent gesteigert werden konnte.

Von 2016 auf 2017 ist das Fallaufkommen im Deliktsbereich „gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen“ um 14,2 Prozent von 589 auf 505 Fälle gesunken. Bei der Deliktskategorie „gefährliche und schwere Körperverletzung an sonstigen Tatörtlichkeiten“ ist 2017 das Fallaufkommen gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent von 983 Fällen auf 898 Fälle zurückgegangen.

Bei den Raubdelikten sind die Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr um 18,8 Prozent von 186 Fällen auf 151 Fälle gesunken.

Trotz einer Steigerung bei den Tatbeständen „Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen“ von 34 auf 43 Fälle liegen die absoluten Fallzahlen des Berichtsjahres 2017 noch immer weit unter dem Spitzenwert von 59 Fällen im Jahr 2014, aber um 11,8 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (38 Fälle). Anzumerken ist hierzu, dass 18 Fälle (Tatzeit im Jahr 2015 bzw. 2016) aufgrund Täterermittlung im laufenden Berichtsjahr zur PKS gemeldet wurden.

Da gerade die Deliktsfelder „Tötungsdelikte“ und „Sexualdelikte“ ganz erheblichen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung haben, ist die Feststellung wichtig, dass hier bei einem Großteil aller Opfer des Berichtsjahres 2017 gegenüber dem Tatverdächtigen eine Vorbeziehung bestand. Es handelt sich somit bei einem Großteil des Fallaufkommens um Beziehungstaten im sozialen Nahraum.

Gewaltdelikte werden nicht selten unter Alkoholeinfluss begangen. Von den 1.467 geklärten Fällen im Berichtsjahr 2017 waren 499 Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss gestanden.





Besondere Ermittlungsverfahren
Windberg - Arbeitskollegen auf der Silvesterparty niedergestochen
Am Sonntag, 31.12.2017, feierten mehrere Personen in einer Gaststätte bei Windberg (Lkr. Straubing-Bogen) den Silvesterabend. Im Verlauf des Abends kam es bereits zu mehreren Zwischenfällen zwischen dem späteren Beschuldigten und den Partygästen. Im erheblich alkoholisierten Zustand ging der Aggressor in sexueller Art und Weise die anwesenden Frauen an und beleidigte diese. Mehrere Männer nahmen sich dem mittlerweile unerwünschten 29-jährigen Rumänen an und verwiesen diesen mit körperlichen Nachdruck von der Veranstaltung. Der Täter bewaffnete sich mit einem Küchenmesser und wollte die Party wenige Minuten später, gegen 22.00 Uhr, erneut aufsuchen. Bereits am Eingang versuchte der Geschädigte dies zu unterbinden. Der 29-Jährige rammte daraufhin dem 48-jährigen Landsmann und Arbeitskollegen unvermittelt mehrmals das Küchenmesser in den Bauch. Engagierte Zeugen konnten dem Täter das Messer abnehmen und ihn der alarmierten Polizei übergeben. Trotz eingeleiteter Reanimation der Rettungssanitäter verstarb der 48-Jährige. Nach der Vorführung beim Ermittlungsrichter erging Haftbefehl und der Beschuldigte wurde eine JVA eingeliefert.

Eggenfelden - Tötungsdelikt in der Asylbewerberunterkunft
Ein 47-jähriger Staatsangehöriger aus Kasachstan und sein 28-jähriger Bekannter aus der Ukraine bewohnten die Asylbewerberunterkunft in Eggenfelden. Am Samstag, 23.09.2017 um 09.00 Uhr tötete der Kasache seinen Mitbewohner durch mehrere Schläge mit einem stumpfen Gegenstand gegen den Kopf. Nach seiner Festnahme wurde der Täter zunächst per Haftbefehl in die JVA und zwei Wochen später, nach der amtsärztlichen Untersuchung, in eine Einrichtung des Bezirksklinikums mittels Unterbringungsbefehl eingeliefert.

4.2 Straßenkriminalität



Im Bereich der Straßenkriminalität (Deliktsgruppen/ Zusammensetzung der Straßenkriminalität vgl. nachfolgende Grafik) ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang des Fallaufkommens um 7,3 Prozent auf insgesamt 7.307 Fälle.
Durch den neuerlichen Rückgang der Fallzahlen des Jahres 2017 ist der niedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre zu verzeichnen. Den größten Anteil an der Straßenkriminalität nehmen nach wie vor Eigentumsdelikte und Sachbeschädigungen ein.

4.3 Diebstahlskriminalität
4.3.1 Allgemein

Im Jahr 2017 weist die Diebstahlskriminalität gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von 10,8 Prozent auf insgesamt 11.741 Fälle auf. Damit sind in diesem Deliktsfeld die mit Abstand geringsten Fallzahlen der vergangenen zehn Jahre feststellbar.




4.3.2 Wohnungseinbruchsdiebstähle

Wohnungseinbrüche stellen eine wesentliche Beeinträchtigung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bevölkerung dar. Erfreulicherweise ist ein erneuter Rückgang um 76 Fälle (-14,2 Prozent) auf insgesamt 459 Fälle im Jahr 2017 in Niederbayern zu verzeichnen.
Trotz des zahlenmäßigen Rückgangs ist es wegen des materiellen Schadens aber auch wegen der erheblichen Verletzung der Privatsphäre notwendig, weiterhin besondere polizeiliche Bekämpfungsansätze durchzuführen. Die Bündelung der Sachbearbeitung bei schadensträchtigen Wohnungseinbrüchen bei den jeweiligen Kriminalpolizeidienststellen und Schwerpunktaktionen, wie umfassende Kontrollmaßnahmen, zeigen im Hinblick auf die rückläufigen Fallzahlen bereits positive Ergebnisse.
Von entscheidender Bedeutung ist zudem ein optimaler Einbruchsschutz für Wohnhäuser und Wohnungen. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass 2017 in Niederbayern 42,9 Prozent aller Einbrüche im Versuchsstadium blieben. Einer der Gründe dafür ist ein geeigneter Einbruchschutz.
Einbrecher wollen schnellstmöglich und unbemerkt Hindernisse (Fenster, Türen etc.) überwinden, um das Entdeckungsrisiko zu minimieren. Beratungen zum Thema Einbruchschutz bieten die niederbayerischen Kriminalpolizeidienststellen in Landshut, Straubing und Passau. Hier werden entsprechende kostenfreie und produktneutrale Beratungen sowohl zum technischen, als auch verhaltensorientierten Einbruchschutz angeboten.
Nicht zuletzt ist aber auch eine gut funktionierende Sozialkontrolle wichtig. Aufmerksame Nachbarn können dazu beitragen, dass Wohnungseinbruchdiebstähle verhindert werden.
Besondere Ermittlungsverfahren
Rottenburg - Wohnungseinbrecher nach Veräußerung der Tatbeute festgenommen
Am 24.02.2017 brachen mehrere Personen die Haustüre eines Wohnhauses auf, durchwühlten das Erd- und Obergeschoß und entwendeten Schmuck, Bargeld, eine Spielzeugpistole und ein Mobiltelefon im Gesamtwert von 4.500.- Euro. Am 25.02 begingen sie einen weiteren Wohnungseinbruch. Sie hebelten in Rottenburg ein Fenster des Einfamilienhauses auf und durchsuchten diverse Räumlichkeiten im Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß. Im zweiten Fall entwendeten der 51-Jährige und sein 56-jähriger Komplize wiederum Schmuck, Bargeld, drei Laptops und einen sakralen Gegenstand im Gesamtwert von 2.350.- Euro. Beim Veräußern der Tatbeute konnte der 51-Jährige in Nürnberg vorläufig festgenommen und das Diebesgut den Geschädigten der beiden Wohnungseinbrüche zugeordnet werden. Aufwendige Ermittlungen der Ermittlungsgruppe WED der Kriminalpolizei Landshut unter Einbindung von Bayerischen Landeskriminalamt und Europol führten zur Identifizierung des 56-Jährigen. Dieser war mittlerweile unbekannten Aufenthalts. Am 20.07.2017 wurde er aufgrund eines europäischen Haftbefehls bei der Einreise von Serbien nach Ungarn festgenommen und am 28.07.2017 von den ungarischen Behörden an Deutschland ausgeliefert.

4.3.3 Diebstahl von Kraftfahrzeugen (im öffentlichen und nichtöffentlichen Bereich)

n der Deliktsgruppe Diebstahl von Kraftfahrzeugen ist ein Anstieg der Fälle von 143 im Jahr 2016 auf 158 Fälle zu verzeichnen. Seit Beginn des Jahres 2016 kommt es u. a. in Bayern vermehrt zu Diebstählen hochwertiger Kraftfahrzeuge, die mit sog. „Keyless Go Schließsystemen“ ausgestattet sind. Bayernweit wurden 322 Fahrzeuge entwendet, die ein derartiges Schließsystem verbaut haben. Der Beuteschaden beträgt mittlerweile fast 20 Millionen Euro. 2017 wurden acht Wohnungseinbrüche in Niederbayern mit Entwendung des Originalschlüssels und des dazugehörigen Pkw registriert, der Gesamtschaden wird auf 600.000 Euro beziffert. Entgegen dem Trend ist ein Rückgang bei den Diebstählen von Krafträdern/Kleinkrafträdern von 98 Fälle im Vorjahr auf 74 Fälle feststellbar.

4.3.4 Fahrraddiebstähle

Als erneut positiv ist die Entwicklung der Fallzahlen bei den Fahrraddiebstählen hervorzuheben. Das Fallaufkommen erreichte 2015 einen Höchststand. Mit 1.593 Fahrraddiebstählen in 2017 wurde der niedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre markiert. Trotz des Rückgangs appelliert die Polizei erneut, Fahrräder mit geeigneten Schlössern gegen Diebstahl zu sichern und empfiehlt gleichzeitig die Registrierung des Fahrrades. Die Möglichkeit der Registrierung bietet jede niederbayerische Polizeidienststelle.

5. Rauschgiftkriminalität

Nachdem bereits 2015 und 2016 deutliche Steigerungsraten im Bereich der Rauschgiftkriminalität registriert wurden, ist auch für das Berichtsjahr 2017 ein erneuter Anstieg des Fallaufkommens um 3,7 Prozent zu verzeichnen und weist somit den Höchststand der vergangenen zehn Jahre auf. Im Jahr 2017 waren in Niederbayern 45 Tote zu beklagen, deren Ableben auf den Konsum von Rauschgift zurückzuführen ist. Dies stellt mit Abstand den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahr dar. 2016 waren es 29 Drogentote.
Die Fallzahlen i. Z. m. Cannabisprodukten sind auch im Berichtsjahr 2017 mit 1.621 registrierten Fällen unangefochten an erster Stelle und nach der ganz erheblichen Steigerung um 279 Fälle gegenüber dem Vorjahr auf dem höchsten Stand der letzten zehn Jahre.
Bei Heroin ist im Gegensatz dazu eine rückläufige Entwicklung von 135 Fällen im Vorjahr auf 84 Fälle im Berichtsjahr zu beobachten. Bei Methamphetaminen (Crystal) kann ebenfalls ein Rückgang von 103 Fällen im Vorjahr auf 70 Fälle im Berichtsjahr registriert werden. Der überwiegende Teil des in Niederbayern sichergestellten Crystals stammt nach wie vor aus der benachbarten Tschechischen Republik. Die niederbayerische Polizei begegnet diesem Phänomen u. a. mit intensiven Sonderkontrollen, einer möglichst dichten Schleierfahndung und präventiven Maßnahmen.
Zu berücksichtigen ist im Bereich der Rauschgiftkriminalität, dass es sich dabei um Kontrolldelikte handelt, d. h. es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den polizeilichen Kontrollerfolgen und dem Fallaufkommen. Naturgemäß ist in diesem Deliktsbereich das sog. Dunkelfeld, also der Anteil der Polizei unbekannt gebliebenen Taten, hoch.
Das Thema Drogen ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der polizeilichen Präventionsarbeit. Im Jahr 2017 besuchten die Präventionsbeamten des Polizeipräsidiums Niederbayern die niederbayerischen Schulen, um dort über legale und illegale Drogen mit ihren aktuellen Erscheinungsformen aufzuklären. Darüber hinaus wurden auch für Erwachsene Informationsveranstaltungen und Vorträge durchgeführt.

6. Sexualdelikte

Nach dem deutlichen Rückgang im Jahr 2016 verzeichnete das Aufkommen an Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2017 einen weiteren Rückgang um 4,0 Prozent und liegt jetzt mit 530 Fällen geringfügig unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.




In einzelnen Deliktsbereichen wurden im Berichtsjahr signifikante Steigerungs- bzw. Rückgangsraten festgestellt. Diese waren Ausfluss einer Ende 2016 erfolgten Gesetzesänderung, in der das Sexualstrafrecht umfassend novelliert wurde. So wurden z. B. Tathandlungen, die bisher „lediglich“ den Tatbestand der Beleidigung erfüllten, neu geschaffenen Tatbeständen im Bereich der Sexualstraftaten zugeordnet. Zudem wurden Tatbestände geschaffen, um bisher straflose Handlungen zu sanktionieren.

Dadurch erklären sich die vereinzelten Steigerungsraten des Jahres 2017, beispielsweise im Bereich der „Sonstigen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ von 28 Fällen im Vorjahr auf 99 Fälle in 2017. Auch die Ereignisse in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und die Diskussionen um die erfolgte Strafrechtsänderung haben sich möglicherweise auf die Anzeigebereitschaft ausgewirkt.

Auch wenn dieser Deliktsbereich mit 1,1 Prozent nur einen geringen Teil der Gesamtkriminalität ausmacht, sind die Folgen der Tat wegen der oft langjährigen psychischen Belastungen zuweilen weitreichend. Von besonderer Wichtigkeit ist daher die hohe Aufklärungsquote von 88,1 Prozent im Jahr 2017.

Besondere Ermittlungsverfahren

Loiching - Sexueller Missbrauch im Freibad
Ein 68-jähriger Rentner machte sich im Freibad an mehreren Tagen an zwei Mädchen heran. Die Opfer im Alter von elf und neun Jahren trauten sich nicht mehr ins Wasser und vertrauten sich erst im Nachhinein ihren Eltern an. Der Mann hat den beiden Kindern im Wasser mehrmals in den Schritt gefasst. Die Eltern zeigten den Rentner bei der Polizei an. Nach Bekanntwerden des Vorfalls zeigten weitere vier Mädchen, im Alter von 9 - 13 Jahren sexuelle Missbrauchsfälle in ähnlicher Art und Weise, begangen durch den Rentner, an. Der Rentner wurde aufgrund richterlichen Haftbefehls in eine JVA eingeliefert.

7. Kriminalität durch Zuwanderer
7.1 Allgemein

Unter dem Begriff „Zuwanderer“ fallen nach bundeseinheitlicher Definition alle Nichtdeutschen, die als Aufenthaltsanlass den Status „Asylbewerber“, „Schutzberechtigte/ Asylberechtigter“ oder „Kontingentflüchtling“ besitzen bzw. die sich anhand einer „Duldung“ oder „unerlaubt“ im Bundesgebiet aufhalten.
Bezogen auf die Gesamtkriminalität, ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Verstöße, wurden im Berichtsjahr 2017 in Niederbayern insgesamt 1.957 Tatverdächtige mit dem Status „Zuwanderer“ registriert. Dies bedeutet einen Anteil von 8,8 Prozent an allen Tatverdächtigen und 28,7 Prozent an allen nichtdeutschen Tatverdächtigen. Von 2016 auf 2017 sank die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer um 30 Prozent. Bei der Interpretation dieser Entwicklung ist der deutliche Rückgang bei der Migrationsbewegung zu berücksichtigen.


7.2 Diebstahlskriminalität

Im Bereich der Diebstahlskriminalität ist ein erneuter Rückgang der unter der Tatbeteiligung von Zuwanderern begangenen Straftaten von 262 Fälle in 2016 auf 246 Fälle in 2017 (- 6,1 Prozent) zu verzeichnen.

7.3 Körperverltzungsdelikte

Die maßgeblichen Deliktsgruppen innerhalb der Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit sind die Kategorien gefährliche und schwere Körperverletzung einerseits und (vorsätzliche einfache) Körperverletzung anderseits. Bei erstgenannter Kategorie sank die Zahl der unter Beteiligung von Zuwanderern begangenen Fälle um 4,7 Prozent (von 296 auf 282 Fälle), bei der einfachen Körperverletzung um 5,1 Prozent (von 586 auf 557 Fälle).
Bei 348 der insgesamt 557 von Zuwanderern begangenen geklärten Fälle der vorsätzlichen Körperverletzung war mindestens ein Opfer Flüchtling bzw. Asylbewerber (62,5 Prozent). 207 dieser Taten fanden zudem in einer Asylbewerberunterkunft statt (37,2 Prozent).


7.4 Sexualdelikte

Die Gesetzesänderung des Sexualstrafrechts Ende 2016 wirkt sich auch in der Statistik der durch Zuwanderer begangenen Deliktszahlen aus. Die Ausgestaltung der Straftatbestände im Kontext „Nein heißt Nein“ und die Qualifizierung eines Tatbestandes der „Sexuellen Beleidigung“ mit dem weiteren Tatbestandsmerkmal der körperlichen Berührung auf die „Sexuelle Belästigung“ gem. § 184i StGB begründen die Steigerung der Fallzahlen von 57 Fälle in 2016 auf 82 Fälle in 2017.

7.5 Rauschgiftdelikte

Bei der Rauschgiftkriminalität, begangen durch Zuwanderer, ist fast eine Verdoppelung der Fallzahlen von 126 Fälle im Vorjahr auf 249 Fälle im Berichtsjahr 2017 zu verzeichnen. Eine der Hauptursachen für die enorme Steigerung der Fallzahlen bei den Betäubungsmitteldelikten sind jene Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Besitz und Handel mit Cannabisprodukten einschließlich deren Zubereitung stehen.


Besondere Ermittlungsverfahren
Landshut - reger Rauschgifthandel in der Asylbewerberunterkunft
Unter dem Namen „Schoch III“ führte die KPI Landshut ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen mehrere Asylbewerber. Im Laufe der Ermittlungen kristallisierte sich die Asylbewerberunterkunft in Landshut, Ortsteil Schönbrunn, als direkte Anlaufstelle für Konsumenten und Zwischendealer heraus. Unter anderem war ein 27-jähriger Bewohner an mehreren Beschaffungsfahrten nach Berlin beteiligt und überführte zusammen mit seinen Komplizen mehrere Kilogramm Marihuana nach Landshut. Von dort aus verkaufte man den Stoff gewinnbringend an weitere Abnehmer. Im November 2016 setzte die Kriminalpolizei im Zusammenwirken mit Kräften der Bereitschaftspolizei dem Treiben ein Ende, nahm mehrere Personen vorläufig fest und stellte Betäubungsmittel, Fahrzeuge, Bargeld, Mobiltelefone und Computerhardware sicher. Durch die anschließend geführten intensiven Ermittlungen der KPI Landshut wurden 18 Personen wegen Handel, Erwerb sowie Besitz von Cannabis angezeigt.


8. Ausblick

Bestandteil einer professionellen Kriminalitätsbekämpfung ist das frühzeitige Erkennen neuer Kriminalitätsphänomene und die dahingehende Ausrichtung der polizeilichen Arbeit. Die gute Sicherheitslage in Niederbayern ist das Ergebnis einer zukunftsorientierten, anlassbezogenen und bürgernahen Polizeiarbeit unter Einbeziehung aller mit Sicherheitsfragen betrauten Behörden und Institutionen, so Polizeipräsident Josef Rückl.
Auch zukünftig wird die niederbayerische Polizei bestrebt sein, dass die gute Sicherheitslage in Niederbayern aufrechterhalten bleibt und wir gemeinsam in eine weiterhin sichere Zukunft blicken können, betont Polizeipräsident Josef Rückl.


Medienkontakt: Polizeipräsidium Niederbayern, Pressesprecher Günther Tomaschko, KHK,
Tel. 09421/868-1014

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